/ 11.06.2013
Brigitte Rauschenbach
Der Traum und sein Schatten. Frühfeministin und geistige Verbündete Montaignes: Marie de Gournay und ihre Zeit
Königstein/Ts.: Ulrike Helmer Verlag 2000 (Aktuelle Frauenforschung); 247 S.; pb., 24,54 €; ISBN 3-89741-048-6Es gibt inzwischen viele theoretische und auf Zeitprobleme bezogene Abhandlungen zum Feminismus, aber historisch fundierte Untersuchungen zur Ideengeschichte und zu frühen Vorläufern des Feminismus sind selten, und eine der besten, "Politische Philosophie und Geschlechterordnung" (1998) stammt aus der Feder von Rauschenbach. Die Autorin hat auch mit ihrem Gournay-Buch eine abgerundete Arbeit vorgelegt. Gegenstand ist eine vielseitige Autorin, die im Umbruch vom 16. auf das 17. Jahrhundert mit ei...
Brigitte Rauschenbach
Der Traum und sein Schatten. Frühfeministin und geistige Verbündete Montaignes: Marie de Gournay und ihre Zeit
Königstein/Ts.: Ulrike Helmer Verlag 2000 (Aktuelle Frauenforschung); 247 S.; pb., 24,54 €; ISBN 3-89741-048-6Es gibt inzwischen viele theoretische und auf Zeitprobleme bezogene Abhandlungen zum Feminismus, aber historisch fundierte Untersuchungen zur Ideengeschichte und zu frühen Vorläufern des Feminismus sind selten, und eine der besten, "Politische Philosophie und Geschlechterordnung" (1998) stammt aus der Feder von Rauschenbach. Die Autorin hat auch mit ihrem Gournay-Buch eine abgerundete Arbeit vorgelegt. Gegenstand ist eine vielseitige Autorin, die im Umbruch vom 16. auf das 17. Jahrhundert mit einer Vielzahl von eigenen Schriften, mit Überlegungen zur Sprachtheorie, aber auch als Herausgeberin der Essays von Montaigne Aktivitäten entfaltete, die ihr mehr Ruhm hätten bringen sollen, als dies tatsächlich geschah. Gournay hat versucht, eine moderne Frau in einer frühmodernen Zeit zu sein. Sie beschäftigt sich mit den Vorbedingungen der Gleichberechtigung der Geschlechter, die sie primär im Zugang der Frauen zu solider Bildung sieht. Als Frau wird man nicht geboren, zur Frau wird man gemacht - dieses Kredo von Simone de Beauvoir findet sich bemerkenswert ähnlich bereits bei Gournay. Auch die Gender- und Herrschaftsqualitäten von Sprache (also ein aktuell-postmodernes Thema) hat sie bereits thematisiert. Viel Dank von ihren Zeitgenossen hat sie damit nicht geerntet. Rauschenbachs umfassende Zeitanalyse stellt Gournay in ihren Kontext und thematisiert nicht nur die beginnende Auseinandersetzung um Geschlechterrollen bei den Klassikern des politischen Denkens der Zeit, sondern steigt auch differenziert in die französische Geistes- und Kulturgeschichte der Epoche ein. Für ihre Zeitgenossen war Gournay, nicht nur wegen ihrer Verbindung zu Montaigne, eine Stimme, mit der es sich auseinanderzusetzen galt - allerdings überwiegend in polemischer und satirisch-abfälliger Form. Rauschenbachs Arbeit bietet in ihrem weiten Blickwinkel nicht nur einen Beitrag zur Geschichte des Feminismus, sondern zugleich eine Einführung in die Geistesgeschichte der sich entwickelnden absolutistischen Epoche.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.32 | 2.27
Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Brigitte Rauschenbach: Der Traum und sein Schatten. Königstein/Ts.: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13033-der-traum-und-sein-schatten_15616, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 15616
Rezension drucken
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
CC-BY-NC-SA