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/ 20.06.2013
Ulrich Völklein

Die Weizsäckers. Macht und Moral - Porträt einer deutschen Familie

München: Droemer 2004; 448 S.; geb., 22,90 €; ISBN 3-426-27319-5
Um das Dilemma von Macht und Moral und die „äußerst beschränkten Möglichkeiten des Einzelnen“ (19), in die geschichtlichen Wechselfälle des vergangenen Jahrhunderts einzugreifen, kreist diese Studie des Hamburger Journalisten Völklein. Er stellt die Lebensläufe und das Wirken von Ernst von Weizsäcker und seiner beiden Söhne Carl Friedrich und Richard ausführlich in den Kontext der deutschen Geschichte. Geschildert wird die vom Kaiserreich geprägte Gesinnung des Vaters, der sich nahtlos dem Natio...
Ulrich Völklein

Die Weizsäckers. Macht und Moral - Porträt einer deutschen Familie

München: Droemer 2004; 448 S.; geb., 22,90 €; ISBN 3-426-27319-5
Um das Dilemma von Macht und Moral und die „äußerst beschränkten Möglichkeiten des Einzelnen“ (19), in die geschichtlichen Wechselfälle des vergangenen Jahrhunderts einzugreifen, kreist diese Studie des Hamburger Journalisten Völklein. Er stellt die Lebensläufe und das Wirken von Ernst von Weizsäcker und seiner beiden Söhne Carl Friedrich und Richard ausführlich in den Kontext der deutschen Geschichte. Geschildert wird die vom Kaiserreich geprägte Gesinnung des Vaters, der sich nahtlos dem Nationalsozialismus anpasste, ohne selbst daran zu glauben, und zum obersten Diplomaten des Dritten Reiches wurde. Carl Friedrich von Weizsäcker fügte sich ebenfalls ein, zog aber anders als sein Vater Schlüsse aus seiner ideologischen Ferne zum Nationalsozialismus: Der Kernphysiker nutzte zusammen mit Werner Heisenberg die Unkenntnis der NS-Führung sowie den Materialmangel, um die Entwicklung einer Atombombe zu verschleppen. Er sei mit einem „unverdient sauberen Fragebogen“ (240) entnazifiziert worden, schrieb er selbst. Eindringlich beschreibt der Autor dann den beginnenden Russland-Feldzug, an dem Richard von Weizsäcker teilnahm. Unter dem Eindruck der erlebten Gewalt habe er sich dem Widerstand zugewandt, mit viel Glück sei er nach dem gescheiterten Attentat am 20. Juli 1944 unbehelligt geblieben. Völklein schließt seine Studie mit einer Würdigung Richard von Weizsäckers als eines um Ausgleich bedachten, an den Realitäten orientierten Bundespräsidenten, der sich nicht mehr, wie noch 1972 beim konstruktiven Misstrauensvotum gegen Brandt, in eine Parteilinie einbinden ließ. Der Einzelne vermag vielleicht nur selten tief in die Geschichte einzugreifen. Das Familienporträt zeigt, dass es dennoch Spielräume gibt, dem eigenen Gewissen zu folgen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Ulrich Völklein: Die Weizsäckers. München: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22664-die-weizsaeckers_25861, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 25861 Rezension drucken
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