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/ 11.06.2013
Jürgen Elsässer

Kriegsverbrechen. Die tödlichen Lügen der Bundesregierung und ihre Opfer im Kosovo-Konflikt

Hamburg: Konkret Literatur Verlag 2000 (Konkret Texte 27); 190 S.; ISBN 3-930786-29-X
Der Band bietet eine kritische Auseinandersetzung mit der Informationspolitik der NATO-Führung und insbesondere der deutschen Bundesregierung vor und während des Bombenkrieges gegen Serbien und den Kosovo im Frühjahr 1999. Der Autor, Redakteur der Zeitschrift "konkret", stellt dar, wie die politischen und militärischen Entscheidungen, die zur Bombardierung führten und diese über nahezu drei Monate fortsetzen ließen, maßgeblich von der Darstellung der serbischen Politik als aggressiver Unterdrück...
Jürgen Elsässer

Kriegsverbrechen. Die tödlichen Lügen der Bundesregierung und ihre Opfer im Kosovo-Konflikt

Hamburg: Konkret Literatur Verlag 2000 (Konkret Texte 27); 190 S.; 26,80 DM; ISBN 3-930786-29-X
Der Band bietet eine kritische Auseinandersetzung mit der Informationspolitik der NATO-Führung und insbesondere der deutschen Bundesregierung vor und während des Bombenkrieges gegen Serbien und den Kosovo im Frühjahr 1999. Der Autor, Redakteur der Zeitschrift "konkret", stellt dar, wie die politischen und militärischen Entscheidungen, die zur Bombardierung führten und diese über nahezu drei Monate fortsetzen ließen, maßgeblich von der Darstellung der serbischen Politik als aggressiver Unterdrückung der albanischen Bevölkerungsminderheit im Kosovo und deren militärischer Vernichtung bis hin zum geplanten Völkermord abhängig gewesen seien. Nur so sei in der Öffentlichkeit der westlichen Staaten, insbesondere in der deutschen, die Bereitschaft zur Unterstützung oder Billigung der NATO-Intervention ohne Mandat der Vereinten Nationen herzustellen gewesen. Indem der Autor die nachträglich durch die Recherchen unabhängiger Journalisten, die Untersuchungen internationaler Kommissionen, aber auch durch die Berichte von NATO-Dienststellen gewonnenen Erkenntnisse mit den seinerzeit durch die Massenmedien verbreiteten Informationen über die politischen Absichten der jugoslawischen Regierung sowie über serbische Kriegsgräuel und Massaker an der albanischen Zivilbevölkerung vergleicht, stellt er bemerkenswerte Diskrepanzen fest. In keinem der Fälle, die in der ersten Hälfte des Jahres 1999 aufgrund von spektakulären Medienberichten zum Anlass genommen wurden, eine militärische "Reaktion" der NATO zu fordern beziehungsweise nach Beginn der Bombenangriffe deren Fortsetzung zu legitimieren, hätten sich die bis zum Völkermordvorwurf reichenden Anschuldigungen seither schlüssig beweisen lassen. In vielen Fällen, auch das vermag der Autor durch Material aus einer Vielzahl von Quellen zu belegen, spielte die ungeprüfte Übernahme bestimmter Medienberichte durch die politische Führung, z. B. die Bundesregierung, dagegen eine zentrale Rolle bei deren Begründung beziehungsweise Rechtfertigung des Militäreinsatzes und Bombardements gegenüber der Öffentlichkeit.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 4.214.412.62 Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Jürgen Elsässer: Kriegsverbrechen. Hamburg: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13066-kriegsverbrechen_15655, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 15655 Rezension drucken
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