/ 11.06.2013
Britta Waldschmidt-Nelson
Martin Luther King - Malcom X. GegenSpieler
Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag 2000; 192 S.; 8,64 €; ISBN 3-596-14662-3Die Münchener Historikerin, seit Jahren eine der profiliertesten deutschen Expertinnen für das schwarze Amerika, hat mit diesem Band zwei politische und spirituelle Führer der Bürgerrechtsbewegung porträtiert, die in den Sechzigerjahren zwei diametral entgegengesetzte Auffassungen vertraten, die auch heute noch für den Richtungsstreit innerhalb der schwarzen Minderheit stehen können. Integration oder Konfrontation, Zusammenarbeit mit der weißen Mehrheit oder Abspaltung, charismatisches Christent...
Britta Waldschmidt-Nelson
Martin Luther King - Malcom X. GegenSpieler
Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag 2000; 192 S.; 8,64 €; ISBN 3-596-14662-3Die Münchener Historikerin, seit Jahren eine der profiliertesten deutschen Expertinnen für das schwarze Amerika, hat mit diesem Band zwei politische und spirituelle Führer der Bürgerrechtsbewegung porträtiert, die in den Sechzigerjahren zwei diametral entgegengesetzte Auffassungen vertraten, die auch heute noch für den Richtungsstreit innerhalb der schwarzen Minderheit stehen können. Integration oder Konfrontation, Zusammenarbeit mit der weißen Mehrheit oder Abspaltung, charismatisches Christentum oder die Nation of Islam - in fast allen zentralen Punkten standen die beiden Bürgerrechtler sich gegenüber. Waldschmidt-Nelson arbeitet diese Unterschiede heraus und stellt sie in den Rahmen der politischen und sozialen Ereignisse, die den Kampf um die Bürgerrechte geprägt haben und die ihrerseits vor dem Hintergrund der Geschichte der Sklaverei und der Enttäuschung der nicht verwirklichten Emanzipation nach dem Bürgerkrieg erläutert werden. Der Band ist für ein breiteres Publikum geschrieben, was sich in zahlreichen gut ausgewählten Bildern und einem lesefreundlichen, manchmal dramatischen Schreibstil äußert. Auch das persönliche Leben der beiden Protagonisten wird gebührend gewürdigt. Gleichwohl, die fehlenden Fußnoten sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ein solides wissenschaftliches Werk erarbeitet wurde. Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass beide Strategien erst vereint in der Lage waren, die schwarze Emanzipation zur Gleichberechtigung durchzuführen, dass sich mithin King und Malcolm X zwar bekämpften, aber auch ergänzten. Hierin liegt gehörige Ironie, aber auch eine bedenkenswerte Lehre für die heutigen Führer im fortdauernden schwarzen Bürgerrechtskampf.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.64 | 2.1
Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Britta Waldschmidt-Nelson: Martin Luther King - Malcom X. Frankfurt a. M.: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12455-martin-luther-king---malcom-x_14891, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 14891
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Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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