/ 11.06.2013
Thomas Toivi Blatt
Nur die Schatten bleiben. Der Aufstand im Vernichtungslager Sobibór. Aus dem Amerikanischen von Monika Schmalz
Berlin: Aufbau-Verlag 2000; 355 S.; ISBN 3-351-02504-1Der Verfasser teilt seine Erinnerungen an die Gefangenschaft im NS-Vernichtungslager Sobibór (Polen) sowie an seine Flucht im Anschluss an einen Häftlingsaufstand im Oktober 1943 mit. 1927 im jüdischen Schtetl Izbica im Osten Polens geboren, war Blatt Ende April 1943 mit seinen Eltern und Geschwistern nach Sobibór gekommen und als Einziger seiner Familie der Selektion bei der Ankunft im Vernichtungslager entgangen. Gut die Hälfte des Bandes schildert seine Erlebnisse und Leiden in den anschließe...
Thomas Toivi Blatt
Nur die Schatten bleiben. Der Aufstand im Vernichtungslager Sobibór. Aus dem Amerikanischen von Monika Schmalz
Berlin: Aufbau-Verlag 2000; 355 S.; geb., 39,90 DM; ISBN 3-351-02504-1Der Verfasser teilt seine Erinnerungen an die Gefangenschaft im NS-Vernichtungslager Sobibór (Polen) sowie an seine Flucht im Anschluss an einen Häftlingsaufstand im Oktober 1943 mit. 1927 im jüdischen Schtetl Izbica im Osten Polens geboren, war Blatt Ende April 1943 mit seinen Eltern und Geschwistern nach Sobibór gekommen und als Einziger seiner Familie der Selektion bei der Ankunft im Vernichtungslager entgangen. Gut die Hälfte des Bandes schildert seine Erlebnisse und Leiden in den anschließenden sechs Monaten der Gefangenschaft, die er als "Frisör" bzw. Kleidersortierer sowie als Schuhputzjunge für den SS-Lagerkommandanten Frenzel zubrachte. Immer wieder reflektiert der Verfasser dabei auch die Vorgeschichte seiner Verschleppung: die Jugend in der Vorkriegszeit, den Überfall auf Polen und die Angliederung des polnischen Ostens an die Ukraine, schließlich den Beginn der Judenverfolgung auch in diesem der UdSSR zugeschlagenen Gebiet nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion. Den zweiten Teil des Bandes nimmt die Darstellung des Aufstandes der Lagerinsassen am 14. Oktober 1943 ein, in dessen Verlauf fast alle wachhabenden SS-Männer getötet wurden und 320 Häftlingen die Flucht gelang, von denen trotz umfassender Fahndung in den folgenden Wochen nur 170 wieder gefasst und ermordet wurden. Dem Verfasser selbst gelang die Flucht trotz widriger Umstände und mehrfachen Verrats durch "Freunde" und "Helfer", sodass er sich bis zur Befreiung durch die Rote Armee einer polnischen Partisaneneinheit anschließen konnte. Eine kurze Dokumentation der historischen Daten dieses einzigen Aufstandes in einem KZ sowie der Wortlaut eines 1982 zwischen Blatt und dem ehemaligen Lagerkommandanten Frenzel geführten Gespräches ergänzen die Darstellung. Obwohl das Manuskript in erster Fassung bereits 1952 einem polnischen Verlag vorgelegt worden war, wurden bis in die 80er-Jahre daraus nur einzelne Passagen in amerikanischen und israelischen Periodika veröffentlicht; erst 1997 konnte die nun erstmals in deutscher Übersetzung veröffentlichte Fassung in den USA erscheinen.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.312 | 2.25
Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Thomas Toivi Blatt: Nur die Schatten bleiben. Berlin: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12204-nur-die-schatten-bleiben_14570, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 14570
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
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