/ 12.06.2013
Hans Poser
Wissenschaftstheorie. Eine philosophische Einführung
Stuttgart: Philipp Reclam jun. 2001; 307 S.; 8,10 €; ISBN 3-15-018125-9In der heutigen Welt schafft Wissenschaft nicht nur die Möglichkeitsbedingungen unseres Handelns, sie hat auch maßgeblich unser Weltbild gestaltet und ist, in weitgehender Verdrängung der Religion, zur Basis unserer Hoffnungen wie auch unserer Ängste und Sorgen geworden - so der Autor des Bandes, der darin Grund genug sieht, danach zu fragen, was Wissenschaft eigentlich ist. Die aus dieser Frage geborene Disziplin der Wissenschaftstheorie versteht sich ihm zufolge als eine der Wissenschaftswisse...
Hans Poser
Wissenschaftstheorie. Eine philosophische Einführung
Stuttgart: Philipp Reclam jun. 2001; 307 S.; 8,10 €; ISBN 3-15-018125-9In der heutigen Welt schafft Wissenschaft nicht nur die Möglichkeitsbedingungen unseres Handelns, sie hat auch maßgeblich unser Weltbild gestaltet und ist, in weitgehender Verdrängung der Religion, zur Basis unserer Hoffnungen wie auch unserer Ängste und Sorgen geworden - so der Autor des Bandes, der darin Grund genug sieht, danach zu fragen, was Wissenschaft eigentlich ist. Die aus dieser Frage geborene Disziplin der Wissenschaftstheorie versteht sich ihm zufolge als eine der Wissenschaftswissenschaften; so sei sie gleichermaßen abzugrenzen von Wissenschaftsgeschichte, -soziologie, -psychologie, -politologie und -ethik, und wie diese ihrerseits eine Vorstufe der erheblich komplexeren Wissenschaftsphilosophie. Als eine noch recht junge Disziplin fragt sie nach den Grundlagen und Voraussetzungen der Wissenschaften, also "kantisch formuliert: nach den Bedingungen ihrer Möglichkeit" (20). In ihrer Darstellung behandelt Poser sukzessive die vier häufigsten in der Disziplin vertretenen Standpunkte - analytisch, konstruktivistisch, hermeneutisch und dialektisch -, von denen ein jeder für sich beanspruche, den jeweils vorangegangenen mit zu umfassen. Durch diese Schrittfolge ergibt sich die gerade für eine solche Meta-Disziplin unbedingt zu erbringende Begründungs- und Methodenreflexion gleichsam parallel zur eigentlichen Darstellung, also in vollem Umfang "erst vom Ende her und nach dem Durchgang durch die Probleme" (24). Hervorgegangen ist der Band aus einer ursprünglich im Herbst 1998 an der Chinesischen Akademie der Naturwissenschaften in Peking gehaltenen und später an der TU Berlin wiederholten Vorlesung.
Aus dem Inhalt: Modelle des Wissenschaftsfortschritts: Fortschritt und Wissenschaftsdynamik; Wissenschaftsfortschritt und Wissenschaftstheorie; Die Bindung einer Erklärung an ein Paradigma: Thomas S. Kuhn; Normale Wissenschaft; Der Paradigmenwechsel als wissenschaftliche Revolution. Wissenschaftsentwicklung statt Wissenschaftsfortschritt: Forschungsmethodologie und Theoriendynamik: Imre Lakatos; Theorie der Forschungstraditionen: Larry Laudan; Dynamik von Modellen: Wolfgang Stegmüller, Joseph D. Sneed. Anwendung oder Anarchie? Die Starnberger Finalisierungsthese; Methodenanarchismus als Methode: Paul Feyerabend; Die Bedingungen der Wissenschaftsentwicklung als Festsetzungen erster Stufe: Stephen Toulmin, Kurt Hübner, Yehuda Elkana; Konventionen statt Erkenntnis?; Metaregeln als Festsetzungen zweiter Stufe und die außerwissenschaftliche Weltsicht. Die erkenntnistheoretische Problematik der Geisteswissenschaften. Hermeneutik: Erklären und Verstehen; Von Schleyermacher zu Dilthey; Wahrheit und Methode: Hans-Georg Gadamer; Kritik und Weiterführung der Hermeneutik.
Thomas Nitzsche (TN)
M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
Rubrizierung: 5.2
Empfohlene Zitierweise: Thomas Nitzsche, Rezension zu: Hans Poser: Wissenschaftstheorie. Stuttgart: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14010-wissenschaftstheorie_16786, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 16786
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M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
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