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/ 21.06.2013
Raul Teitelbaum

Die biologische Lösung. Wie die Schoah "wiedergutgemacht" wurde. Aus dem Hebräischen von Bettina Malka-Igelbusch

Lüneburg: zu Klampen Verlag 2008; 367 S.; hardc., 24,80 €; ISBN 978-3-86674-026-6
Der israelische Journalist Teitelbaum, der selbst das KZ Bergen-Belsen überlebte, schätzt, „dass nur ein Drittel der Überlebenden in irgendeiner Form entschädigt wurde. Zwei Drittel starben ohne jegliche Wiedergutmachung. So sah die ‚biologische Lösung’ der Entschädigungsfrage aus“ (328 f.). Die insgesamt 65,1 Milliarden Euro, die die Bundesrepublik an individuellen Entschädigungen (58,3 Milliarden Euro) und im Rahmen von zwischenstaatlichen Globalabkommen bis Ende 2007 gezahlt habe, sei angesichts der deutschen Wirtschaftskraft keine besonders hohe Summe, kritisiert er, habe aber dem Land der Täter den Eintritt in die internationale Staatengemeinschaft ermöglicht. Teitelbaum verfolgt mit diesem Buch ein erkennbar persönliches Anliegen – er will die Geschichte einer seiner Ansicht nach nur bruchstückhaft erfolgten Entschädigung der jüdischen NS-Opfer festhalten, wobei er Versäumnisse nicht nur aufseiten der Bundesregierung sieht, sondern auch auf der der israelischen Regierung und der Conference on Jewish Material Claims Against Germany (kurz: Claims Conference). Auch kritisiert Teitelbaum wiederholt, dass nur Überlebende einen Entschädigungsanspruch erheben konnten, für die Toten aber niemals eine Zahlung vorgesehen war – die Frage, inwieweit der Holocaust überhaupt mit Geld abgegolten werden kann, wäre sicher einige Überlegungen wert gewesen. Stattdessen aber verleiht Teitelbaum seinen Ausführungen Schärfe, indem er einleitend die Neonazi-Szene und deren Presseunwesen als integralen Bestandteil der politischen Kultur Deutschlands darstellt und antisemitische Einstellungen in der Bevölkerung hervorhebt. Außerdem werden die Ausführungen über das Luxemburger Abkommen unterbrochen mit einem Kapitel über den arabischen Antisemitismus. Ein weiteres Thema ist aber auch die Politik des israelischen Staates gegenüber den Bürgern, die zu den Überlebenden zählen und verarmt sind. Insgesamt hat sich Teitelbaum also thematisch sehr viel vorgenommen – zuviel, sein Anliegen, an die oftmals schwierige Situation der Überlebenden zu erinnern, geht dabei gelegentlich fast unter.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.12.352.3122.222.232.252.632.42.52.64 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Raul Teitelbaum: Die biologische Lösung. Lüneburg: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30130-die-biologische-loesung_35720, veröffentlicht am 18.02.2009. Buch-Nr.: 35720 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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