/ 11.06.2013
Shimona Löwenstein
Die nichtregierte Gesellschaft. Gemeinsame Prinzipien des alten chinesischen Taoismus mit dem modernen europäischen Liberalismus
Würzburg/Boston: Deutscher Wissenschafts-Verlag 2001; 192 S.; brosch., 19,80 €; ISBN 3-935176-05-8Die Autorin hat weder eine europäisch-liberale Interpretation des Taoismus noch seine Rezeptionsgeschichte in Europa schreiben wollen. Im Anspruch bescheidener soll durch gleichsam inventarisches "Feststellen übereinstimmender Ideen" (10) ein gemeinsames Grundschema für den Liberalismus und Taoismus skizziert werden - dies allerdings unter der ambitionierten These, die "wichtigsten Prinzipien beider Lehren, deren wesentliche Aussagegehalte und Konsequenzen" seien "in ihrem Anliegen identisch" (9). Gezeigt wird dies an den jeweiligen Vorstellungen von der menschlichen Gesellschaft, vom Problem der Herrschaft und der Rolle der Regierung sowie von der existentiellen Stellung des Menschen in der Welt und den ihm anempfohlenen Handlungsmaximen. Dies mündet in einen Vergleich, der "das ganze Problem der Freiheit" (17) samt ihrer in beiden Philosophien als zentral angesehenen Verwirklichung betrachtet. Basierend auf von ihr als gut eingeschätzten Übersetzungen und unter nahezu vollständiger Ausblendung von Sekundärliteratur stellt Löwenstein v. a. ausführlich Zitate gegeneinander und vergleicht so die Werke von Lao-tse, Dschuang Dsi und Liä Dsi mit denen der wichtigsten Vertreter des abendländischen Liberalismus. Hierzu zählt sie Smith, J. St. Mill, Constant, Tocqueville, Hayek, Berlin, Dahrendorf, Röpke und Rüstow; der von ihr zugrunde gelegte Liberalismusbegriff bleibt jedoch auch nach ihrer Begründung für diese Auswahl unterbelichtet. Vielleicht geben aber gerade die explizit Ausgeklammerten Aufschluss: Ricardo, Bentham und James Mill habe als bloß ökonomischen beziehungsweise rechtstheoretischen Denkern das umfassend liberale Weltbild gefehlt; Locke, Montesquieu, Sieyès und Kant scheiden aus, da sie trotz ihrer liberalen Positionen noch nicht selbst als Liberale bezeichnet würden; schließlich scheine Rawls, "trotz seines Bekenntnisses zum Liberalismus, von diesem eher wegzuführen" (16).
Thomas Nitzsche (TN)
M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
Rubrizierung: 5.34 | 5.43
Empfohlene Zitierweise: Thomas Nitzsche, Rezension zu: Shimona Löwenstein: Die nichtregierte Gesellschaft. Würzburg/Boston: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9446-die-nichtregierte-gesellschaft_21324, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 21324
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M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
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