/ 11.06.2013
Claudia Kinkela
Die Rehabilitierung des Bürgerlichen im Werk Dolf Sternbergers
Würzburg: Königshausen & Neumann 2001 (acta politica 3); 334 S.; brosch., 34,77 €; ISBN 3-8260-1787-0Politikwiss. Diss. - „Dieses Unterfangen bedarf kaum einer Rechtfertigung, eine umfassende Arbeit über Sternbergers Gesamtwerk gab es bisher nicht." (Vorwort) Tatsächlich findet sich im deutschen Sprachraum - mit Ausnahme vielleicht des Buches von Pannier (siehe ZPol 3/97: 1.234) - keine systematische Aufarbeitung der Schriften Sternbergers. Dies ist umso erstaunlicher, als der Literat, Journalist, Forscher und Lehrer als einer der Gründungsväter der deutschen Politikwissenschaft gilt (eine Bezeichnung, deren Berechtigung ein eigenes Unterkapitel gewidmet ist [115 f.]). Leitfaden für die Aufarbeitung des Opus von Sternberger ist für Kinkela jedoch der Begriff der Bürgerlichkeit, dem sie zugleich mehr als nur persönliche Bedeutung beimisst: „Wertvoll erscheinen Sternbergers Reflexionen auf das Bürgerliche, weil sie in ihren Wandlungen und materialreichen Ausführungen über einen Zeitraum von mehr als fünfzig Jahren einen repräsentativen Ausschnitt aus dem Selbstverständnis einer deutschen politischen Kultur belegen." (Vorwort) Drei Stationen kennzeichnen dabei die Entwicklung von Sternbergers Begriff des Bürgerlichen „von einem ästhetisch-habituellen über einen politisch-ethischen hin zu einem politisch-philosophischen Ansatz" (7). Kinkelas Arbeit stützt sich nicht nur auf die in den Gesammelten Schriften veröffentlichten Texte, sondern auf eine intensive Nutzung des Nachlasses Sternbergers aus dem Marbacher Archiv. Nicht zuletzt im (nicht notwendigerweise zustimmenden) Austausch mit Persönlichkeiten wie Karl Jaspers und Martin Heidegger werden die Prägungen Sternbergers offensichtlich, die als Orientierungspunkte eines tatsächlich generationsspezifischen Denkpanoramas gelten können, dessen Formen und Farben vom Schatten der nationalsozialistischen Katastrophe ebenso bestimmt werden, wie vom Versuch des kontrastierenden Neuentwurfs.
Inhaltsübersicht: Einleitung: Die Wieder-Entdeckung des Bürgerlichen als das Politische. I. Bürgerlichkeit als Habitus: 1930 bis 1945: 1. Politische Biographie I; 2. Panorama oder Ansichten vom neunzehnten Jahrhundert; 3. Jugendstil - Hybris versus Humanität; 4. Zeitkritische Artikel aus der Frankfurter Zeitung. II. Bürgerlichkeit als politische Option: 1945 bis 1960: 1. Politische Biographie II; 2. Die Wandlung; 3. Politische Ethik; 4. Sprache und Politik; 5. Begriff des Politischen; 6. Bürgerlichkeit; 7. Lebende Verfassung. III. Bürgerlichkeit als politisch-philosophische Reflexion: 1960 bis 1989: 1. Begriff des Politischen II; 2. Bürgerliche Legitimität; 3. Drei Wurzeln der Politik; 4. Die neue Politik.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 5.46
Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Claudia Kinkela: Die Rehabilitierung des Bürgerlichen im Werk Dolf Sternbergers Würzburg: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12057-die-rehabilitierung-des-buergerlichen-im-werk-dolf-sternbergers_14383, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 14383
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Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
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