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/ 17.06.2013
Andrea K. Riemer

Early Warning im Internationalen Gesellschafts-System nach 1989/90. Theoretische Neuüberlegungen unter besonderer Berücksichtigung methodischer und empirischer Aspekte für Semiperiphery-Staaten

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2001 (Aris - Sicherheitspolitische Studien 3); 592 S.; brosch., 75,67 €; ISBN 3-631-36975-1
Die Autorin macht es dem Leser nicht leicht: Allein für die Herleitung der "forschungsleitenden Grundbegriffe" braucht sie sage und schreibe 131 Seiten, nur um danach zum "Stand der Forschung für die theoretische Basis" überzugehen. Das zieht sich dann auch wieder über knapp 100 Seiten - aber beim Thema ist Riemer noch lange nicht. Stattdessen fällt so ziemlich jeder Begriff, der irgendwann in einer politikwissenschaftlichen Theorie der internationalen Beziehungen aufgetaucht ist, und wird in Myriaden von Unterkapiteln wortreich, aber sprachlich oft völlig unverständlich und leider gar nicht so selten auch grammatikalisch falsch erklärt. Auf Seite 95 ist die Autorin auf diese Weise schon beim Unterpunkt 5.436.2 angelangt. Im Abschnitt IV schafft sie es sogar bis zum Unterkapitel 2.232.24.4! Mangelnde Sorgfalt in Detailfragen ist Riemer mithin auf keinen Fall vorzuwerfen. Von Frühwarnkonzepten ist allerdings erst auf Seite 185 so richtig die Rede - für erfreulich kurze sieben Seiten. Danach geht es mit dem "systemisch-evolutionären extended signal approach" weiter, aber an diesem Punkt gerät der Leser schon in leichtes Taumeln. Der endgültige Knockout kommt spätestens zwei Kapitel weiter: Es handelt von "systemisch-evolutionären extended signal approach enhanced". Selbst Wohlmeinende werden an diesem Punkt längst schon aufgegeben haben. Was "Semiperiphery-Staaten" sind, wird überhaupt nicht erklärt, wann oder wie Frühwarnsysteme in der Realität angewendet werden, wird nicht thematisiert. Das Buch ist eine 592 Seiten lange Übung in Unverständlichkeit. Freunde politisch korrekter Sprache werden an ihm jedoch ihre Freude haben. Es wimmelt nur so von Binnen-Is und sogar englischsprachige Begriffe entgehen bei Riemer nicht der Transformation in die weibliche Form ("User/Userin"). Ob allerdings Wortungeheuer wie die "Early WarnerInnen" die Gleichberechtigung von Mann und Frau besonders fördern, darf wohl mit Fug und Recht bezweifelt werden. Aus dem Inhalt: III. Der Systemisch-Evolutionäre Extended Signal Approach; IV. Die Fallstudie im engsten Sinn: Die Türkei von 1987 bis 1997 (in Teilen ergänzt bis 2000); V. Der Systemisch-Evolutionäre Extended Signal Approach Enhanced.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.2 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Andrea K. Riemer: Early Warning im Internationalen Gesellschafts-System nach 1989/90. Frankfurt a. M. u. a.: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15774-early-warning-im-internationalen-gesellschafts-system-nach-198990_17996, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 17996 Rezension drucken
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