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/ 11.06.2013
Andreas Schalück

Eine Agentur der Kirchen im Staatsapparat? Otto Nuschke und die Hauptabteilung "Verbindung zu den Kirchen" 1949-1953

Berlin: Akademie Verlag 1999 (Studien des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin); XVI, 343 S.; geb., 98,- DM; ISBN 3-05-003467-X
Diss.; Gutachter: K. Rohe, P. Maser. - Die Frage, die der Autor in seiner Arbeit zu beantworten sucht, ist bereits im Titel formuliert. Aus Sicht der sowjetischen Besatzungsmacht und der SED kann sie zweifellos bejaht werden. Die Arbeit der Hauptabteilung "Verbindung zu den Kirchen" kann als eine Form von Widerstand verstanden werden, da sie bemüht war, "Freiräume gegen die herrschende Doktrin der SED zu erlangen" (9). Schalücks Auffassung, wonach die Behörde einer von zahlreichen kleinen Rissen "in dem von außen monolithisch erscheinenden Staatsapparat" (6) gewesen sei, ist aber dahingehend zu ergänzen, dass eben diese zahlreichen Risse im Zuge der Gleichschaltung von Staatsapparat und Gesellschaft abgedichtet wurden und dadurch erst die monolithische bzw. totalitäre Herrschaft entstand. Die Zerstörung zarter rechtsstaatlicher und demokratischer Ansätze in der Sowjetischen Besatzungszone, die an Staatsverständnis und Personal der Weimarer Republik angeknüpft hatten, traf auch die Hauptabteilung, welche spätestens seit der 2. Parteikonferenz im Jahre 1952 kaltgestellt und 1957, im Todesjahr des CDU-Vorsitzenden Nuschke, in das Staatssekretariat für Kirchenfragen umgewandelt wurde. Schalücks Arbeit zeigt die schrittweise Machtkonzentration in den Händen der SED am Beispiel einer Regierungsbehörde, die von Anbeginn in Konkurrenz zu anderen Dienststellen innerhalb des Staats- und Parteiapparates stand. Nuschke, den der Autor neben anderen Mitarbeitern der Hauptabteilung auch biographisch vorstellt, konnte hier nur den Kürzeren ziehen. Als sich die Beziehungen zwischen Staat und Kirchen verschlechterten, wurde auch auf den CDU-Vorsitzenden keine Rücksicht mehr genommen. Die Studie ermöglicht neben den Einblicken in verschiedene Details auch einen Überblick über die frühe Kirchenpolitik von SED sowie Sowjetischer Besatzungsmacht und die zentralen Konfliktfelder. Inhaltsübersicht: I. Die Hauptabteilung "Verbindung zu den Kirchen" als Institution; II. Die Hauptabteilung "Verbindung zu den Kirchen" im System des SED-Staates; III. Staat-Kirche-Konflikte.
Henry Krause (HK)
Dipl.-Politologe, Referatsleiter, Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, Dresden.
Rubrizierung: 2.3142.35 Empfohlene Zitierweise: Henry Krause, Rezension zu: Andreas Schalück: Eine Agentur der Kirchen im Staatsapparat? Berlin: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10675-eine-agentur-der-kirchen-im-staatsapparat_12623, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 12623 Rezension drucken
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