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/ 05.06.2013
Stephen Kalberg

Einführung in die historisch-vergleichende Soziologie Max Webers. Aus dem Amerikanischen von Thomas Schwietring

Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2001; 307 S.; brosch., 19,43 €; ISBN 3-531-13308-X
Der Verfasser, Soziologe an der Boston University, gilt seit Jahren als einer der ausgewiesensten amerikanischen Weber-Experten. Neben zahlreichen Aufsätzen hat er sich mit mehreren Büchern an der lebendigen Weber-Debatte in den USA beteiligt, und 2001 erschien seine Neuübersetzung der "Protestantischen Ethik", die endlich eine adäquate Wiedergabe dieses Schlüsseltextes in englischer Sprache darstellt. Umgekehrt ist das hier anzuzeigende Buch die Übersetzung von Kalbergs "Max Weber's Comparative-Historical Sociology", das im Original bereits 1994 erschien. Ob es wirklich erforderlich war, den deutschen Titel durch das Wort "Einführung" zu verkleinern, mag man bezweifeln. Denn es geht um mehr als eine Einführung, nämlich um eine Gesamtinterpretation der Vorgehensweise Webers und darum, wie sein Ansatz im Vergleich mit anderen gegenwärtigen Gesellschaftserklärungsmodellen das Verständnis der Postmoderne erleichtert. Kalberg sieht Webers Vorgehensweise als nach wie vor überlegen an, da sie besser geeignet sei, soziale Handlungen zu verstehen (Kapitel 1). Eine Besonderheit der Weber'schen Analyse sei die Multikausalität, die kulturelle Kräfte und Werte neben Strukturanalysen stelle (Kapitel 2). Dies ermögliche die Kausalanalyse singulärer Beispiele (Kapitel 3), indem Idealtypen zur Hypothesen- und Modellbildung genutzt werden (Kapitel 4). Die historischen Fallstudien testen die solcherart gebildeten Modelle, und so spielen die empirischen Texte den Abschluss von Webers System. Kalberg rekonstruiert als ein solches Fallbeispiel (Kapitel 5) die Weber'sche Untersuchung des indischen Kastensystems. Die kompakte Studie wagt eine Gesamtinterpretation, die schlüssig ist und die zugleich in ihrem mutigen Angriff auf etablierte theoretische Stränge zu Kontroversen einlädt. Nicht der geringste Vorzug des Bandes ist darin zu sehen, dass es Kalberg dank seiner langjährigen Verbindung zur deutschen akademischen Landschaft gelingt, die Weber-Debatte von beiden Seiten des Atlantiks gleichmäßig zu überschauen und sich nutzbar zu machen.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.465.42 Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Stephen Kalberg: Einführung in die historisch-vergleichende Soziologie Max Webers. Wiesbaden: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8260-einfuehrung-in-die-historisch-vergleichende-soziologie-max-webers_10891, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10891 Rezension drucken
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