/ 12.06.2013
Zlatko Hadžidedić
Forced to be free. The Paradoxes of Liberalism and Nationalism
Baden-Baden: Deutscher Wissenschafts-Verlag 2012; 209 S.; brosch., 29,95 €; ISBN 978-3-86888-050-2Zlatko Hadžidedić entwirft eine ebenso ideengeschichtlich wie politisch‑philosophisch akzentuierte Zusammenschau zweier von ihm als gegensätzlich konstruierter Begriffe: auf der einen Seite steht ein als individualistisch und universell gedachter Liberalismus, auf der anderen Seite ein kollektiv und exklusiv gedachter Nationalismus. Anhand verschiedener von ihm als Klassiker des liberalen Denkens vorgestellter Autoren – Mill, Sidney, Rawls, Rousseau, Acton – versucht er aufzuzeigen, warum der Nationalismus in modernen Gesellschaften eine nach wie vor bedeutende Rolle spielt. Seine Antwort stellt die enge Beziehung von Nationalismus und Liberalismus in den Vordergrund: „From ist earliest beginnings, liberalism has promoted nations and nation‑states as the only legitimate units within which ist ideals of liberty and liberal democracy could be articulated. […] Nationalist principles are built into the very core of liberalism.“ (205) Nationalismus kann demnach insofern als ein Beiprodukt des Liberalismus begriffen werden, als dass er den Raum – im geografischen wie im personalen Sinne – abgibt, in dem sich die politische Ordnung des Liberalismus legitimerweise zu realisieren vermag. Legitimität erweist sich demnach als das zentrale Bindeglied, das beide Begriffe in der politischen Praxis zueinander vermittelt. Spätestens an dieser Stelle wäre indes zu überlegen, inwiefern die Analyse hier der Versuchung erlegen ist, ihre eigenen Befunde gleich definitorisch selbst einzuführen. Denn wenn eine Form politischer Herrschaft als legitimationsbedürftig konzipiert wird, kann dieses Bedürfnis nur bei einer angebbaren Gruppe von Personen eingelöst werden, die die Herrschaft und ihre Institutionen als gerechtfertigt akzeptieren. Würde man von diesem Mechanismus der Rechtfertigung absehen, wäre politische Herrschaft konsequent ohne die Zustimmung der Herrschaftssubjekte zu denken, was sie zu einer apolitischen Herrschaftsform machen würde. Dass liberale Demokratievorstellungen zudem – auch das wäre weiterführend noch zu diskutieren – in ihrer konkreten Umsetzung immer und damit notwendig in einem nationalen Kontext auftreten, ist darüber hinaus weit weniger eindeutig als es der Befund von Hadžidedi? Suggeriert. Was etwa wäre mit supranationalen Institutionen wie etwa dem Europäischen Parlament, das ebenso wie nationale Parlamente von den Bürgern durch eine demokratische Wahl legitimiert wird? – Es bleibt, so der zusammenfassende Eindruck, ein ideengeschichtlicher wie politisch‑philosophischer Entwurf, der viel Raum für Anschlussfragen und ‑diskussionen lässt.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.1 | 5.33 | 5.32 | 5.42 | 5.43
Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Zlatko Hadžidedić: Forced to be free. Baden-Baden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14539-forced-to-be-free_43518, veröffentlicht am 02.05.2013.
Buch-Nr.: 43518
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
CC-BY-NC-SA