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/ 22.06.2013
Holger Zapf

Jenseits der Simulation – Das radikale Denken Jean Baudrillards als politische Theorie

Berlin: Lit 2010 (Studien zur viluellen Politik 6); 266 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-643-10588-2
Politikwiss. Diss. TU München; Gutachter: W. Hofmann. – Jean Baudrillard ist aufgrund seines Simulationstheorems in erster Linie als umstrittener postmoderner Medientheoretiker bekannt. An harscher Kritik ob der Inkohärenz und Unwissenschaftlichkeit seines Denkens fehlt es, insbesondere in seinem Heimatland Frankreich, nicht. Der Frage, ob und inwieweit Baudrillard, trotz dieser, zum Teil berechtigten Kritik, für die politische Theorie fruchtbar und anschlussfähig ist, geht Zapf nach. Er stellt sich die Aufgabe, die theoretischen Grundlagen von Baudrillards Denken systematisch herauszuarbeiten und auf Bestandteile einer (Funktions-)Theorie der Politik hin zu untersuchen. Nach einer knappen, aber präzisen Darstellung der Hauptaussagen Baudrillards und der Kritik daran, wendet sich Zapf der Rekonstruktion der Entwicklung, der Entstehungsbedingungen und Einflussfaktoren von Baudrillards Denkweg zu. Dessen Werk wird dazu in drei Phasen unterteilt, die auch die weitere Gliederung vorgeben: Einer maßgeblich von Barthes beeinflussten semiologischen Phase folge eine symbolische, die sich mit seinem Hauptwerk „Der symbolische Tausch und der Tod“ (71 ff.) verbinde, ehe eine „fatale Phase“ einsetze, die sich „zwischen theoretischem Delirium und Intellektion“ (73) bewege. Gestützt auf diese Rekonstruktion kommt Zapf zu dem Schluss, dass Baudrillard zwar „nicht ohne Weiteres“ (239) für eine Theorie des Funktionierens von Politik – hier als „Theorie der Politik“ (28) bezeichnet – fruchtbar gemacht werden kann; wohl aber lässt sich Baudrillards Denken als politische Theorie lesen. Als solche kann sie als politische Intervention eines Intellektuellen verstanden werden, dem es „nur zum Teil auf die adäquate Darstellung gesellschaftlicher Wirklichkeit“ ankommt, sondern „vor allem […] auf ihre Herausforderung durch diese Darstellung“ (253). Baudrillards radikales Denken wird in dieser Lesart „selbst zu einer revolutionären Praxis“ (242).
Nikolai Münch (NM)
M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Forschungszentrum Laboratorium Aufklärung, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.46 Empfohlene Zitierweise: Nikolai Münch, Rezension zu: Holger Zapf: Jenseits der Simulation – Das radikale Denken Jean Baudrillards als politische Theorie Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33280-jenseits-der-simulation--das-radikale-denken-jean-baudrillards-als-politische-theorie_39799, veröffentlicht am 17.03.2011. Buch-Nr.: 39799 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA