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/ 05.06.2013
Detlef Horster

Jürgen Habermas zur Einführung

Hamburg: Junius 1999 (Zur Einführung 185); 189 S.; brosch., 24,80 DM; ISBN 3-88506-985-7
Der deutsche Sozialphilosoph Habermas zählt nicht nur zu den bedeutendsten lebenden (Sozial-)Philosophen der Gegenwart, sondern auch zu den produktivsten. Bis in die jüngste Zeit hinein hat Habermas sein publizistisches Werk weiter ausgebaut – im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen ist dem kritischen Theoretiker dabei Redundanz nicht nachzuweisen. Gerade der späte Habermas hat nach Vollendung seines Projekts einer kritischen Gesellschaftstheorie durch die Theorie des kommunikativen Handelns (1981) einen Paradigmenwechsel zur Rechts- und Moralphilosophie vollzogen. Die rechtstheoretische Abhandlung Faktizität und Geltung (1992) sowie die moralphilosophischen Schriften Erläuterungen zur Diskursethik (1991) und Die Einbeziehung des Anderen (1996) stehen im Mittelpunkt der Neufassung der Habermas-Einführung Horsters, der in derselben Reihe Jahre zuvor bereits eine Monographie zu Habermas' frühen Schriften verfaßt hatte. Das Frühwerk wird in dieser Ausgabe mit Ausnahme der zentralen Schriften Erkenntnis und Interesse (1968) und dem epochemachenden Hauptwerk Theorie des kommunikativen Handelns nur kursorisch behandelt – die in "feuilletonistischer Form" (8) referierten Schriften der 60er und 70er Jahre dienen insbesondere der Erläuterung zentraler Kategorien des Habermasschen Werkes, die auch für die späteren Arbeiten fundamental sind: Erkenntnisinteresse, Diskurs, Lebenswelt, Rationalität. Einen weiteren methodischen Schwerpunkt bildet die Kontrastierung des Habermasschen Standpunktes mit konkurrierenden Positionen. Habermas hat den Diskurs nicht nur theoretisch proklamiert, sondern auch praktisch mit vielen zeitgenössischen Philosophen geführt und war dabei stets zur Revision eigener Standpunkte bereit. Horster schildert nicht Habermas' Beziehungen zu seinen geistigen Ziehvätern Adorno und Horkheimer, sondern auch die jüngere Auseinandersetzung mit den amerikanischen Philosophen Taylor, Dworkin und Rawls. Besonders lesenswert hat Horster die Kontroverse mit demjenigen Theoretiker dargestellt, der Habermas vielleicht am meisten gefordert hat: der unlängst verstorbene Niklas Luhmann. In der Form eines virtuellen Dialogs unter Abwesenden werden die Argumente der Habermas-Luhmann-Kontroverse rekapituliert, die wohl zu den produktivsten Debatten der theoretischen Soziologie der Gegenwart zählt.
Florian Weber (FW)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.46 Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Detlef Horster: Jürgen Habermas zur Einführung Hamburg: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8117-juergen-habermas-zur-einfuehrung_10725, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10725 Rezension drucken
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