/ 21.06.2013
Jens Greve
Jürgen Habermas. Eine Einführung
Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2009 (Uni-Taschenbücher 3227); 206 S.; brosch., 17,90 €; ISBN 978-3-8252-3227-6Greve stellt in dieser kritischen Einführung die Entwicklung des Werks in den Mittelpunkt – und wie „sich zeigen wird, bleibt für Habermas auch bei allen Revisionen eine Frage ein wesentlicher Bezugspunkt, nämlich wie sich eine angemessene Theorie der modernen Gesellschaft formulieren lässt, die zugleich in der Lage ist, eine kritische Theorie dieser Gesellschaft zu sein“ (7). Als von zentraler Bedeutung benennt Greve die Annahme Habermas’, dass eine kommunikative Vernunft, die auf sprachlicher Verständigung beruht, erst in der Moderne freigesetzt wurde. Grundlegend für seine Gesellschaftstheorie sei zudem die These, dass „die kritische Theorie zeigen kann, inwiefern ihre normativen Maßstäbe nicht beliebige sind, sondern eine empirische Referenz haben“ (9). In übersichtlich strukturierten Kapiteln fasst Greve die zentralen Habermas’schen Argumentationen zusammen, eingebettet in ihren ideengeschichtlichen Kontext und mit den Hinweisen der Kritiker versehen. Schnell wird deutlich, dass selbst die Texte der frühen 70er-Jahre heute noch aktuell sind und sich angesichts von Globalisierung und Wirtschaftskrise neu zum Nachdenken anbieten – sofern sie nicht mittlerweile weithin akzeptierte Annahmen geworden sind, wie die bei der Rekonstruktion des Marxismus, dass die Produktivkräfte eben nicht die allein bestimmenden Kräfte der historischen Entwicklung sind. Im Zentrum des Buches steht das Hauptwerk über die Theorie des kommunikativen Handelns, dessen Aussagen aber – entsprechend der Habermas’schen Arbeitsweise, die eben gerade nicht vor der Überprüfung der eigenen Erkenntnisse haltmacht – kein unumstößliches Gebilde ist. So hebt Greve Habermas’ Zugang zur Religion hervor, der sich mit seiner Friedenspreisrede im neuen Jahrtausend verändert habe. Auch habe Habermas von einer idealtypischen Vorstellung von Kommunikation inzwischen Abstand genommen und festgestellt, dass dem kommunikativen Handeln (das Maßstab einer kritischen Gesellschaftstheorie bleibt) „kein Sollen zugrunde liegt [...], sondern letztlich ein kommunikativ-Handeln-Wollen der Akteure“ (176).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.46
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Jens Greve: Jürgen Habermas. Konstanz: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31074-juergen-habermas_36944, veröffentlicht am 15.09.2009.
Buch-Nr.: 36944
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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