/ 13.02.2014
Petra Dobner
Quer zum Strom. Eine Streitschrift über das Wasser
Berlin: Verlag Klaus Wagenbach 2013 (Politik bei Wagenbach); 94 S.; 14,90 €; ISBN 978-3-8031-3647-3„Wirtschaftliches Wohlergehen, Gesundheit und eine Verdopplung der Lebenserwartung hängen unmittelbar mit einer qualitativ hochwertigen Trinkwasserversorgung zusammen, die ihrerseits mit einer umfassenden Abwasserreinigung gekoppelt ist.“ (84) Petra Dobner betont in ihrer Streitschrift daher den Wert des Wassers und lenkt den Blick auf die wirklichen Probleme und Erfordernisse, die nichts mit dem Einbau von Spül‑Spar‑Tasten in deutschen Toiletten zu tun haben. Der deutsche Wassersparwahn beruhe überwiegend auf falschen Annahmen und unsinnigen Zahlenspielereien. Akzeptiere man aber, „dass Wassersparen nur dort sinnvoll ist, wo Wasser knapp ist, nähert man sich den eigentlichen und wesentlich schmerzhafteren Fragen eines ökologisch nachhaltigen Wasserkonsums und den Beiträgen, die der Einzelne hierzu wirklich leisten kann“ (28). Dobner informiert über den enormen Verbrauch sogenannten virtuellen Wassers, das zur Herstellung industrieller und agrarischer Produkte verbraucht und somit indirekt konsumiert wird. Fast 70 Prozent davon importiert Deutschland, weshalb Dobner die Bürger_innen nicht zum Zudrehen der eigenen Wasserhähne, sondern zu einem bewussteren Kaufverhalten animiert. Besonders kritisiert die Autorin außerdem die Tendenz zur Liberalisierung und Privatisierung der Wasserversorgung, trotz fehlender positiver Erfahrungen. Die öffentliche Meinung in Deutschland teilt diese Ablehnung, größtenteils wird eine Rekommunalisierung befürwortet, da „Wasser keine Ware ist und die Wasserversorgung nicht nach Marktprinzipien gestaltet werden kann und darf“ (75). Dem Buch mangelt es vielleicht etwas an Struktur, aber Dobners Besorgnis und ihre Kenntnis der Situation werden deutlich. Sie wünscht sich mehr Wertschätzung für die weltweit vorbildliche deutsche Wasserversorgung und appelliert an die Zukunftsfähigkeit der Menschen: „Die prognostizierte Grenze der Natur […] ist kein Hokuspokus wissenschaftsfeindlicher Sandalenträger, sondern ökologische – und damit auch menschliche – Realität.“ (8)
Simone Winkens (SWI)
M. A., Politikwissenschaftlerin, Online-Redakteurin.
Rubrizierung: 4.45 | 2.343 | 2.21
Empfohlene Zitierweise: Simone Winkens, Rezension zu: Petra Dobner: Quer zum Strom. Berlin: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36735-quer-zum-strom_44761, veröffentlicht am 13.02.2014.
Buch-Nr.: 44761
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M. A., Politikwissenschaftlerin, Online-Redakteurin.
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