/ 21.06.2013
Angelika Emmerich-Fritsche
Vom Völkerrecht zum Weltrecht
Berlin: Duncker & Humblot 2007 (Rechtsfragen der Globalisierung 13); 1.204 S.; 128,- €; ISBN 978-3-428-12417-6Rechtswiss. Habilitationsschrift Erlangen-Nürnberg; Gutachter: K. A. Schachtschneider, B. Grzeszick. – Emmerich-Fritsche legt ein umfassendes Plädoyer für einen Paradigmenwechsel vom Völkerrecht zum Menschenrecht vor. Dazu dekliniert sie eine ganze Reihe von letztlich gleichgerichteten Phänomenen in der Rechtspraxis durch, die zusammen genommen einen offensichtlichen Trend zur Neubestimmung wesentlicher Grundannahmen eines als bloß zwischenstaatlich verstandenen Völkerrechts markieren: Die wachsende Bedeutung von Erga-Omnes-Prinzipien und des Ius Cogens, die Etablierung individuellen Rechtsschutzes und einer auf individuelle Verantwortlichkeit zielenden Strafgerichtsbarkeit, die Tendenzen zur Supranationalisierung der Europäischen Union, die in der Charta angelegten Merkmale einer Weltverfassung oder die quasi-legislatorischen Befugnisse des Sicherheitsrates. Die Analyse dieser rechtlichen Entwicklungen wird flankiert durch die Diskussion einer Reihe von theoretischen und philosophischen Modellen zur Begründung bzw. Kritik von Weltstaatlichkeit. Emmerich-Fritsche folgt dabei der schon bei Kant in der Schrift „Zum ewigen Frieden“ angelegten Ambivalenz eines letztlich kontraktualistischen Argumentes nach dem der Rechtsgedanke die ganze Welt umfassen muss, dies jedoch in praktischer Hinsicht nicht notwendig die Etablierung einer Institution „Weltstaat“ verlangt. Die Argumentation zeigt sich dabei durchaus des Umstands bewusst, dass sowohl das Beharren der Staaten auf ihrer völkerrechtlichen Souveränität als auch offenkundige Machtasymmetrien im internationalen System eine einfache und widerspruchslose Weiterentwicklung des beschriebenen Trends nicht erwarten lassen, dass andererseits aber die Entwicklung vom Völkerrecht zum Weltrecht „kein akademisches Glasperlenspiel“ (43) ist und nicht zuletzt in Elementen des „Global Governance“ bereits realisiert ist. Emmerich-Fritsches breit abgesichertes Plädoyer für das Weltrecht ist auch für die Politikwissenschaft von hohem Interesse.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 4.1
Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Angelika Emmerich-Fritsche: Vom Völkerrecht zum Weltrecht Berlin: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27900-vom-voelkerrecht-zum-weltrecht_32779, veröffentlicht am 31.03.2008.
Buch-Nr.: 32779
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Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
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