Portal für Politikwissenschaft

Stadt in Bewegung

Henrik Lebuhn

Stadt in Bewegung. Mikrokonflikte um den öffentlichen Raum in Berlin und Los Angeles

Münster: Westfälisches Dampfboot 2008 (Raumproduktionen: Theorie und Gesellschaftliche Praxis 4); 284 S.; 27,90 €; ISBN 978-3-89691-739-3
Diss. FU Berlin. – Vor dem Hintergrund neoliberaler Globalisierung konzentriert sich die Disziplin der Politischen Ökonomie in der Regel auf die Analyse makropolitischer Verteilungsprozesse, zwischenstaatlicher Konkurrenz und (supra-)nationaler Interessengruppierungen und Institutionen. Henrik Lebuhn untersucht hingegen die zentrale Rolle, welche den Städten im Globalisierungsprozess zukommt. Denn „Städte sind nicht nur die geographischen Orte, an denen sich soziale Ungleichheit verschärft“, sondern auch „die politischen und ökonomischen Zentren, in denen die Globalisierung aktiv vorangetrieben wird“ (11). Am Beispiel zweier sozialräumlicher Konflikte – den Community Gardens in Los Angeles und der Auseinandersetzung um die Einrichtung eines sozialen Zentrums in Berlin – analysiert der Autor die Zusammenhänge zwischen „unternehmerischer Stadtpolitik“ (13) und urbanen sozialen Bewegungen und fragt zugleich nach den Bedingungen, Grenzen und Möglichkeiten einer emanzipativen Politik „von unten“. Der „In-Wert-Setzung des Öffentlichen“ (227) kommt dabei eine Bedeutung zu, die sich nicht auf einkommens- und verteilungspolitische Fragen beschränkt, sondern massive klassenrelevante Implikationen birgt. Denn die Gewährleistung marktferner Bereiche diente in den Nachkriegsjahrzehnten immer auch der Regulation gesellschaftlicher Widersprüche und trug somit zur Stabilisierung des kapitalistischen Systems bei; gleichsam geht es bei sozialräumlichen Konflikten um die Erkämpfung physischer Freiräume, die gesellschaftliche Interessen benötigen, um sich überhaupt erst organisieren und artikulieren zu können. Die Frage, welche sozialen und ökonomischen Bedeutungen einem städtischen Teilraum zugeschrieben werden und wie dessen Nutzungsrechte definiert sind, ist somit nicht nur Ausdruck, sondern auch Ursache gesamtgesellschaftlicher Kräfteverhältnisse.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.21 | 2.325 | 2.64 Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Henrik Lebuhn: Stadt in Bewegung. Münster: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/29520-stadt-in-bewegung_34950, veröffentlicht am 30.09.2008. Buch-Nr.: 34950 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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