Portal für Politikwissenschaft

Gerhard Lehmbruch – Wissenschaftler und Werk

Clemens Jesenitschnig

Gerhard Lehmbruch – Wissenschaftler und Werk. Eine kritische Würdigung

Marburg: Tectum Verlag 2010; 209 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-8288-2509-3
Politikwiss. Magisterarbeit Heidelberg; Gutachter: M. G. Schmidt, K. von Beyme. – Auch wenn es nicht ganz üblich ist, einem lebenden Politikwissenschaftler eine Biografie zu widmen: bei Gerhard Lehmbruch ist dies sicher nicht unangemessen. Seine Schriften zur Demokratie-, Korporatismus- und Föderalismusforschung haben nicht nur die deutsche Politikwissenschaft der letzten 40 Jahre maßgeblich mitgeprägt. Dieser Aufgabe widmet sich ein noch sehr junger Kollege nun in seiner Magisterarbeit mit ausgesprochener Professionalität. In der notwendigen Kürze einer solchen Arbeit gelingt es ihm überzeugend, nicht nur in knapper Form die relevanten Lebensdaten des Porträtierten zu schildern. Auch die Reflexion seines Lebenswerkes erfolgt auf hohem wissenschaftlichen Niveau. Jesenitschnig gelingt es dabei, dem Leser den „roten Faden“ in Lehmbruchs Arbeit deutlich werden zu lassen, der sich von seinen frühen Arbeiten zu Konkordanzdemokratien über seine vergleichende Forschung zum Korporatismus bis hin zu seinem sicherlich bedeutendsten Forschungsfeld, dem Verhältnis von Föderalismus und Parteienwettbewerb in Deutschland, zieht. Das verbindende Element, so lässt sich sagen, ist jenes des „Verhandelns“ als politischem Entscheidungsfindungsmodus, das Lehmbruch, wie Jesenitschnig zu Recht feststellt, ohne normativen Bias untersucht hat. Der Autor ist bei seiner unzweifelhaft ausgeprägten Sympathie für den Politikwissenschaftler Lembruch gleichwohl nicht völlig unkritisch, wie seine im sechsten Kapitel, wenn auch zurückhaltend, formulierte Kritik zeigt. Bedauerlich ist allein, dass er ein Ergebnis der jüngeren Forschung zum Föderalismus nicht berücksichtigt: Die von Niclauß zutage geförderte Erkenntnis, dass jedenfalls die Parteien im Parlamentarischen Rat (weniger die Juristen am Herrenchiemsee) den Bundesrat keineswegs nur aus einem „Sachlichkeitsethos" (112) heraus so geformt haben, wie er ist. Vielmehr, so konnte Niclauß jüngst nachweisen, hatten sie ihn durchaus als „Widerlager in der Parteipolitik“ im Sinne.
Sven Leunig (SVL)
Dr., Politologe, Akademischer Rat, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.svenleunig.de).
Rubrizierung: 1.3 | 2.3 Empfohlene Zitierweise: Sven Leunig, Rezension zu: Clemens Jesenitschnig: Gerhard Lehmbruch – Wissenschaftler und Werk. Marburg: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/33893-gerhard-lehmbruch--wissenschaftler-und-werk_40611, veröffentlicht am 09.06.2011. Buch-Nr.: 40611 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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