/ 21.06.2013
Georg Cremer
Corruption & Development Aid. Confronting the Challenges
Freiburg i. Br.: Lambertus 2008; XIV, 168 S.; 25,- €; ISBN 978-3-7841-1828-4Der Autor möchte mit dem Band das Tabu der Diskussion der Korruption als Phänomen auch der Entwicklungshilfe brechen. Cremer untersucht das Wesen und den Einfluss der Korruption, um damit auch zur Risikolimitierung bei NGOs und staatlichen Organisationen beizutragen. Damit wird Transparenz hergestellt, aber dem Leser auch Verständnis über die speziellen Mechanismen verschafft, die insbesondere im Umfeld der Entwicklungshilfe anzutreffen sind. Cremer stellt in Anlehnung an die Sozialwissenschaften eine Definition von Korruption voran: „Social scientists understand corruption as the misuse of an office or comparable position of trust for private purposes“ (9). Besondere Aufmerksamkeit schenkt er den Ausprägungen der Bestechung, Unterschlagung und des Nepotismus. Ein ganzes Kapitel widmet Cremer der Widerlegung der These, Korruption sei primär ein kulturelles Phänomen. Sie sei vielmehr in Staaten aller Entwicklungsstufen, Kontinente und religiöser Prägungen anzutreffen: „Therefore, those who explain corruption in predominantly cultural terms should have to explain why extremely divergent cultural traditions lead to such similar phenomena“ (59). Dazu argumentiert Cremer über eine Art universelles Wertebewusstsein, wenn er festhält, dass der Korruptionsvorwurf global und unabhängig vom politischen System als eine der schlagkräftigsten Waffen angesehen werden muss. Über NGOs konstatiert der Autor, dass deren Management und Personalstruktur infolge teilweiser öffentlicher Finanzierung und ihrer Sponsorentätigkeit in Entwicklungsländern ähnlichen Bedingungen unterliegt, wie es staatliche Vertreter auch tun. Kritisch merkt Cremer an: „Many nongovernmental organizations do not have even the most rudimentary financial controlling system“ und „the founders' main motive of self-employment can easily turn into self-enrichment“ (81). Positiv sei wiederum anzumerken, das NGOs keine regionalen Monopolstellungen innehaben, was eine Zusammenarbeit mit ihnen reizvoll macht.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.44 | 2.23 | 4.3
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Georg Cremer: Corruption & Development Aid. Freiburg i. Br.: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29769-corruption--development-aid_35263, veröffentlicht am 16.12.2008.
Buch-Nr.: 35263
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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