/ 22.06.2013
Thomas Homer-Dixon
Der heilsame Schock. Wie der Klimawandel unsere Gesellschaft zum Guten verändert. Aus dem Englischen von Michael Bayer
München: oekom verlag 2010 (quer gedacht); 79 S.; 8,95 €; ISBN 978-3-86581-214-8Ein im engeren Sinne wissenschaftliches Buch hat der Professor für Politologie in Waterloo/Kanada nicht geschrieben. Homer-Dixon möchte in erster Linie eine Diskussion anstoßen. Er hält die Klimakrise nicht für ein technisches, sondern vor allem für ein kulturelles Problem und fordert dementsprechend einen kulturellen Wandel. Sein Buch dient dazu, dessen Komponenten zu definieren. Zunächst beschreibt er aber die aus seiner Sicht wesentlichen Elemente des Klimawandels. Neben den bekannten Risiken sieht er eine besondere Gefahr darin, dass die Klimaveränderungen zu einer Zeit beginnen, da die bekannten fossilen Energievorräte zur Neige gehen. Beide Prozesse verstärkten einander und erhöhten die Gefahr von politischen Unruhen und internationalen Konflikten. Homer-Dixon erkennt in der Krise jedoch auch „Möglichkeitsmomente“: Situationen, in denen die Menschheit bereit ist, „Alternativen zum bisherigen Status quo zu erwägen“ (19). Eine Krise könne zerstörerische, aber auch schöpferische Kräfte freisetzen. Damit Letzteres geschieht, hält Homer-Dixon eine kognitive, eine ökonomische, eine politische und eine normative Wende für nötig. Zuerst müssten wir unsere innere Weltsicht verändern. Der Klimawandel sei voller Ungewissheiten, seine Entwicklung erfolge nichtlinear und die negativen Konsequenzen für die Menschheit träfen mit Verzögerung ein. Letztlich erhöhten diese Faktoren den Handlungsdruck. Gleiches gelte auch für die ökonomischen Risiken des Klimawandels. Homer-Dixon fordert eine Abkehr vom konventionellen Wachstumsglauben. Er kritisiert auch die Globalisierung: Der Grad der Vernetzung sei schon zu weit fortgeschritten. Die politischen Strukturen scheinen Homer-Dixon ebenfalls überarbeitungsbedürftig. Er meint, wir müssten über eine „rein prozedurale Demokratie hinausgehen“ (56) und setzt dabei stark auf das Internet. Mehr als die generelle Forderung nach einer demokratischen Mobilisierung hat er jedoch nicht zu bieten. Ebenso unspezifisch bleiben seine Bemerkungen zu einer normativen Wende. Sie stellt sich als Aufforderung heraus, zu einem Konsens darüber zu gelangen, wie ein erfülltes Leben aussehen soll. Insgesamt ist der schmale Band interessant zu lesen und man kann den einen oder anderen Gedanken für allgemeine Diskussionen verwenden. Die politikwissenschaftliche Forschung führt das Buch aber nicht weiter.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.45 | 2.261
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Thomas Homer-Dixon: Der heilsame Schock. München: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32890-der-heilsame-schock_39286, veröffentlicht am 19.01.2011.
Buch-Nr.: 39286
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M. A., Politikwissenschaftler.
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