/ 17.06.2013
Robert von Rimscha
Die Kennedys. Glanz und Tragik des amerikanischen Traums
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2001 (Familienbande); 263 S.; geb., 21,50 €; ISBN 3-593-36529-4Warum hat die Familie Kennedy über Generationen eine derartige Sonderstellung im amerikanischen Leben? Warum geht von ihr eine solche Faszination aus? Von Rimscha verbindet zwei Themenstränge: Einerseits die Biographie einer großen Familie, die in den Sechzigerjahren des 19. Jahrhunderts mit John Francis Fitzgerald (dem so genannten "Honey Fitz") einsetzt und die politische Biografie der Präsidentschaft John F. Kennedys. Jedoch werden nicht nur die politischen Affären, die weltpolitischen Ereignisse während seiner Amtszeit, sondern auch sein Mythos und seine privaten Abenteuer beleuchtet. Im Zentrum steht die Frage, auf welche Weise die Kennedys sich über Generationen einen so herausragenden Platz in der Öffentlichkeit sichern konnten. Erklären lässt sich dieses Phänomen dadurch, dass es ihnen gelang, "das Prinzip der Elite mit jenem des Aufsteigers in Übereinstimmung zu bringen, indem sie sich auf ihre irisch-proletarischen Wurzeln beriefen. Als Volkstribune verkauften sie die institutionalisierte Revolution - und wurden so zu Erneuerern, die diesen Reform-Anspruch über Jahrzehnte hinweg vertreten konnten. Eine Familie, die reich und entrückt mit ihrem Camelot genannten Hofstaat lebte, galt - und gilt manchem noch immer - als Anwalt des kleinen Mannes, als originärster Volksvertreter, als Inbegriff demokratischer Offenheit." (11) Hinzu kommen die Medien: die Familie bot und bietet den idealen "Stoff" für das Fernsehen. Das Spannungsverhältnis zwischen den alten US-Eliten und den irisch-katholischen Aufsteigern sieht von Rimscha als entscheidend für die Motivation und den Erfolg der Kennedys an. Sie gelten als das Beispiel für den Preis, den dieser Erfolg fordert: "Nie hat Amerika Triumphe, Tragödien, Dramen und Peinlichkeiten auf einer offeneren Bühne besichtigen können, als auf jener, die von den Kennedys mal besetzt, mal verteidigt und auch mal verschmäht wurde." (12) Das "System Kennedy" lässt sich auch als das "System Amerika" bezeichnen. Der Autor schildert diese Geschichte in einer äußerst spannenden und leicht lesbaren Weise. Er hat das Material während seiner dreijährigen Tätigkeit als Washington-Korrespondent des Berliner "Tagesspiegel" gesammelt.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.64 | 4.22
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Robert von Rimscha: Die Kennedys. Frankfurt a. M./New York: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16369-die-kennedys_18797, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 18797
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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