/ 21.06.2013
Bergedorfer Gesprächskreis
Irak und seine Nachbarn: Wege zur Stabilität. 22.-24. Februar 2008, Damaskus
Hamburg: edition Körber-Stiftung 2008 (139. Bergedorfer Protokoll); 102 S.; 11,- €; ISBN 978-3-89684-250-3Fertige Lösungen waren von den Gesprächen zwischen Politikern, Diplomaten und Wissenschaftlern aus Deutschland, Europa und der arabischen Region nicht zu erwarten. Dazu ist die Konfliktlage im Irak und um den Irak herum auch viel zu verfahren. Von der Diskussion, deren Wortprotokoll das Buch liefert, konnte man realistischerweise deshalb auch nicht mehr erwarten, als dass kontroverse Positionen ausgetauscht und Ansätze für Verbesserungen erörtert würden. Mehr wurde auch nicht erreicht, wie Richard von Weizsäcker in einem kurzen Schlusswort einräumt. Moderiert wurde die Tagung von dem Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, Volker Perthes. Die Teilnehmer aus der Region kamen aus der Türkei, Syrien und dem Iran. Nur ein Iraker war dabei. Sie gaben zunächst eine Einschätzung der generellen Lage ab, um dann die Rolle regionaler und externer Akteure zu diskutieren. Hinsichtlich der Rolle der USA ließ sich erwartungsgemäß keine einheitliche Bewertung erzielen. Schon eher stimmten die Teilnehmer darin überein, von der EU ein stärkeres Engagement zu verlangen. Auch die Kooperationsmöglichkeiten wurden kontrovers beurteilt. So schlugen einige ein System kollektiver Sicherheit vor, andere hielten das jedoch für unrealistisch. Ein syrischer Politikwissenschaftler konnte sich sogar vorstellen, allen Staaten der Region den Besitz von Nuklearwaffen zu erlauben, um auf diese Weise ein Machtgleichgewicht herzustellen. Auch das genaue Gegenteil, eine atomwaffenfreie Zone, wurde vorgeschlagen – um sogleich von anderer Seite als Schlagwort abgelehnt zu werden. Sicherheit gibt es, so das Fazit, nur für alle. Wenn nur wenige profitieren, wird die Region weiterhin von Konflikten zerrissen. Der ehemalige Bundesaußenminister Fischer forderte alle Parteien dazu auf, pragmatischer vorzugehen. Vor allem die USA und der Iran dürften keine hegemonialen Ansprüche verteidigen, sondern müssten aktiv an einer Konfliktlösung mitarbeiten.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.63 | 2.25 | 4.41 | 4.22 | 3.6
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Bergedorfer Gesprächskreis: Irak und seine Nachbarn: Wege zur Stabilität. Hamburg: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29802-irak-und-seine-nachbarn-wege-zur-stabilitaet_35302, veröffentlicht am 01.12.2009.
Buch-Nr.: 35302
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M. A., Politikwissenschaftler.
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