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/ 21.06.2013
Antonius Liedhegener

Macht, Moral und Mehrheiten. Der politische Katholizismus in der Bundesrepublik Deutschland und den USA seit 1960

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2006 (Jenaer Beiträge zur Politikwissenschaft 11); 509 S.; brosch., 69,- €; ISBN 978-3-8329-1915-3
Politikwiss. Habilitationsschrift Jena; Gutachter: K. Schmitt, K. Dicke, W. Damberg. – Das Werk fügt sich in eine Reihe von neuen politikwissenschaftlichen Analysen, die das wiedererwachte Interesse am Themenfeld Religion und Politik im weitesten Sinne dokumentieren. Liedhegener nähert sich der politischen Rolle der katholischen Kirche oder genauer „kirchlich-katholischer Akteure“ (33) mit einem sozialwissenschaftlichen Ansatz, wie er für andere Formen organisierter Interessen entwickelt worden ist. Er modifiziert ihn jedoch, um die Besonderheiten kirchlicher Akteure besser berücksichtigen zu können. Er fragt nach den verschiedenen Organisationsformen in Deutschland und den USA und ihren Veränderungen. Der Analyse der für den politischen Katholizismus wichtigen Themen folgt als konsequenter Schritt die Frage danach, unter welchen Bedingungen es den kirchlich-katholischen Akteuren gelingt, ihre Interessen durchzusetzen. Dabei untersucht Liedhegener auch eventuelle Divergenzen, Mehrheits- und Minderheitsströmungen innerhalb des politischen Katholizismus. Als letzter Aspekt interessiert den Autor die Reaktion der (anderen) politischen Akteure. Die breit angelegte, empirisch fundierte Analyse untersucht vergleichend die Entwicklungen in Deutschland und den USA seit 1945. Die Auswahl der untersuchten Länder erfolgte unter dem Gesichtspunkt, bei ähnlicher sozio-ökonomischer Entwicklung möglichst unterschiedliche Regelungen des Verhältnisses von Kirche und Staat abzudecken. Als Politikfelder, anhand derer der politische Einfluss konkret untersucht wird, dienen Lebensschutz und Sozialpolitik. Es zeigt sich, dass der „politische Katholizismus der Bundesrepublik [...] nachhaltigere Erfolge auf[weist], die allerdings intern strittig waren“ (440). „[D]ie Auflösung des klassischen katholischen Milieus [ist] in beiden Fällen nicht mit dem Ende des politischen bzw. sozialen Katholizismus gleichzusetzen“ (441). Aufbauend auf das Analysemodell von Fowler entwirft Liedhegener abschließend ein differenziertes Modell zur „Erklärung politischen Erfolgs von religiösen Gruppierungen in Demokratien“ (444).
Julia von Blumenthal (JB)
Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
Rubrizierung: 2.232.222.642.322.352.3312.2622.342 Empfohlene Zitierweise: Julia von Blumenthal, Rezension zu: Antonius Liedhegener: Macht, Moral und Mehrheiten. Baden-Baden: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26106-macht-moral-und-mehrheiten_30369, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 30369 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA