/ 04.06.2013
Tadeusz Mazowiecki
Politik und Moral im neuen Europa. Mit einem Essay von Jan Patočka. Jan Patočka - Gedächtnisvorlesung des IWM 1997
Wien: Passagen Verlag 1999 (Passagen forum); 80 S.; brosch., 28,- DM; ISBN 3-85165-308-4In seiner Vorlesung betont Mazowiecki besonders die Einflüsse des Christentums als konstitutivem Element Europas. Gerade die Dissidentenbewegung in Polen habe gezeigt, inwiefern das christliche Wertesystem auch heute noch politische Konsequenzen haben könne. Diese Erkenntnis sei in Westeuropa zum Teil einem deutlichen Erosionsprozeß hin zu Werterelativismus und sogar Nihilismus gewichen. Gleichzeitig weist Mazowiecki aber auch auf das nicht ganz spannungsfreie Verhältnis der Kirchen in Ost‑ und Mitteleuropa zur neuen pluralistischen Struktur demokratischer Gesellschaften hin. Der Wert der menschlichen Person ist für den aufgrund des Versagens der Staatengemeinschaft zurückgetretenen UNO‑Menschenrechtsbeauftragten im ehemaligen Jugoslawien weiterhin Richtschnur jeglicher Politik, die er als "moralische Domäne [...], eine Domäne der Werte" (26) bezeichnet. Neben Mazowieckis Rede bietet der Band noch einen kurzen Text von Ludger Hagedorn zu den Gemeinsamkeiten im Denken Mazowieckis und des tschechischen Dissidenten Patocka (29‑36) sowie Patockas Aufsatz "Der Versuch einer tschechischen Nationalphilosophie und sein Scheitern" aus dem Jahre 1977 (37‑80).
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 2.23 | 2.61 | 2.62
Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Tadeusz Mazowiecki: Politik und Moral im neuen Europa. Wien: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/5766-politik-und-moral-im-neuen-europa_7497, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 7497
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Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
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