/ 04.06.2013
Ralf Brauksiepe
Politische Ökonomie der Transformation von Wirtschaftsordnungen in Entwicklungsländern
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 1996 (Bochumer Schriften zur Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik 35); XVI, 429 S.; brosch., 108,- DM; ISBN 3-631-49897-7Diss. Bochum. - Analysiert werden die dynamischen Aspekte der Systemtransformation in Entwicklungsländern, insbesondere die Voraussetzungen und Möglichkeiten der Transformation der Wirtschaftssysteme. Ausgangspunkt bildet dabei die Theorie der allgemeinen Neuen Politischen Ökonomie (NPÖ). Der Autor schließt in seinem Transformationsbegriff auch Planungs- und Koordinationssysteme sowie Eigentumsordnungen und Außenwirtschaftsregime mit ein (5). Dabei bilden die Ökonomische Theorie der Demokratie, der Bürokratie und der Interessengruppen die Hauptbereiche der NPÖ zur Erklärung wirtschaftspolitischer Entscheidungen (7). Neben der theoretischen Analyse werden die vorgestellten Ansätze anhand der Entwicklungsländerökonomien und der wirtschaftsgeschichtlichen Entwicklung islamischer Staaten (Türkei, Iran und Afghanistan) überprüft. Im Ergebnis ist ein Grundmuster der Transformation von Wirtschaftsordnungen durch charakteristische Formen der Interaktion und Durchsetzungsfähigkeit von verschiedenen Interessengruppen in den Entwicklungsländern erkennbar: "Diese Transformation impliziert den Wandel grundlegender Institutionen, der seinerseits - wie jeder institutionelle Wandel - durch die mit den individuellen Ressourcen gewichteten aggregierten individuellen Nutzenkalküle determiniert wird. Dabei spielen gerade in Entwicklungsländern informelle Institutionen bzw. formungebundene Regeln eine bedeutende Rolle." (399) Auch in der Transformationsgeschichte der von Brauksiepe untersuchten Länderbeispiele spiegelt sich das Grundmuster der Transformation der Politischen Ökonomie wieder: "Nicht die häufig betonten kulturellen, religiösen oder ideologischen Besonderheiten als solche, nicht die durch Verwandtschafts- und Klientelbeziehungen geprägten Strukturen per se implizieren schließlich die überlegene Ressourcenausstattung der vormals oppositionellen Gruppen, sondern die mit ihnen verbundenen Möglichkeiten zum Einsatz effizienter informeller Informations- und Kommunikationsnetze." (400) Der Autor beschreibt den Transformationsprozeß von Wirtschaftsordnungen in Entwicklungsländern als einen endogenen Prozeß, der durch die spezifische Interessengruppenkonstellation der jeweiligen Länder bestimmt ist.
Thomas Morick (TM)
Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 2.2 | 2.22 | 2.63 | 2.68 | 4.44
Empfohlene Zitierweise: Thomas Morick, Rezension zu: Ralf Brauksiepe: Politische Ökonomie der Transformation von Wirtschaftsordnungen in Entwicklungsländern Frankfurt a. M. u. a.: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3482-politische-oekonomie-der-transformation-von-wirtschaftsordnungen-in-entwicklungslaendern_4592, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 4592
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Dipl.-Politologe.
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