/ 04.06.2013
Kinan Jaeger
Quadratur des Dreiecks. Die deutsch-israelischen Beziehungen und die Palästinenser. Mit einem Vorwort von Hans-Jürgen Wischnewski
Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 1997 (Schriftenreihe des Deutsch-Israelischen Arbeitskreises für Frieden im Nahen Osten e. V. 27); 262 S.; 58,- DM; ISBN 3-87920-415-2Politikwiss. Diss. Bonn; Erstgutachter: M. Funke. - Der Autor untersucht das trilaterale Verhältnis zwischen der Bundesrepublik Deutschland, Israel und der PLO im Kontext des arabisch-israelischen Konfliktes zwischen 1967 und 1993. Im Sechs-Tage-Krieg sieht er eine Wegscheide der deutsch-israelischen Beziehungen, denn diese waren zuvor aufgrund der historischen Verantwortung für den Holocaust von Bonn ausschließlich pro-israelisch gestaltet worden. Mit dem Jahr 1967 erkennt Jaeger einen "staatsraisonistisch bedingten Wandel" (2), den er in veränderten sicherheits-, wirtschafts- und energiepolitischen Rahmenbedingungen für die Bundesrepublik begründet sieht. Als Ergebnis konstatiert er seit Beginn der 70er Jahre eine zunehmende Annäherung der sozialliberalen Außenpolitik an die arabischen bzw. palästinensischen Positionen. Anhand von sich daran entzündenden deutsch-israelischen Kontroversen, beginnend mit der Venedig-Erklärung der EU von 1980, skizziert Jaeger das Grunddilemma der deutschen Politik gegenüber einer unnachgiebigen Haltung Israels in der Palästinenser-Frage und israelischen Menschenrechtsverletzungen im Libanon, wie nämlich Kritik an Jerusalem geübt werden könne, ohne die aus dem Holocaust resultierende Verantwortung für Israel zu negieren. Ein Ergebnis sieht er in der Begrenzung der deutschen Politik gegenüber der PLO, zu der ein formeller Dialog lange Zeit nicht aufgenommen werden konnte. Erst die israelisch-palästinensische Prinzipienerklärung vom September 1993 brachte hier einen Durchbruch, so daß das Palästinenser-Problem seitdem an Bedeutung als Streitpunkt innerhalb der deutsch-israelischen Beziehungen verloren hat.
Inhalt: II. Das Palästinenser-Problem; historische und politische Hintergründe; III. Die Perzeption des Palästinenser-Problems im Zeichen des Sechs-Tage-Krieges; IV. Neue Bestimmungsfaktoren in den deutsch-israelischen Beziehungen; V. Palästinensischer Terror in der Bundesrepublik und seine Konsequenzen; VI. Die "Normalisierung" im deutsch-israelischen Verhältnis; VII. Die Folgen des Yom-Kippur-Krieges und der Ölkrise; VIII. Die internationale Aufwertung des Palästinenser-Problems; IX. Zunehmende Differenzen zwischen Bonn und Jerusalem in der Behandlung der Palästinenser-Frage; X. Die EG-Erklärung von Venedig; XI. Der konfrontative Kurs der Regierung Begin - Reaktionen und Konsequenzen; XII. Der Einmarsch der israelischen Armee in den Libanon; XIII. Der Kurs der christlich-liberalen Regierung Kohl/Genscher; XIV. Distanzierung von der PLO - Annäherung an Israel; Bonns neue Position; XV. Die Intifada; Ursache und Wirkungen; XVI. Die De-facto Anerkennung Israels durch die PLO; XVII. Die Kuwait-Krise und ihre Folgen; XVIII. Politische Wandlungsprozesse im Nahen Osten.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 4.21 | 2.63 | 4.41
Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Kinan Jaeger: Quadratur des Dreiecks. Schwalbach/Ts.: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/4213-quadratur-des-dreiecks_5932, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 5932
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
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