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/ 05.06.2013
Amnon Kapeliuk

Rabin - ein politischer Mord. Nationalismus und rechte Gewalt in Israel. Mit einem Vorwort von Lea Rabin. Aus dem Französischen von Miriam Magall

München: Knaur 1999; 237 S.; 16,90 DM; ISBN 3-426-77417-8
Mit der Ermordung des israelischen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin am 4. November 1995 erlitt der arabisch-israelische Friedensprozeß eine Schwächung, von der er sich erst nach den israelischen Wahlen im Mai 1999 zu erholen begonnen hat. Zudem markierte der Mord die Spaltung der israelischen Gesellschaft in gemäßigte Unterstützer des Ausgleichsprozesses und konservativ-radikale Gegner einer Aussöhnung. Diese polarisierte politische und gesellschaftliche Konstellation fand ihren personalisierten Ausdruck in den beiden Hauptprotagonisten, nämlich dem israelischen Ministerpräsidenten und seinem Attentäter Yigal Amir. Wie diese innenpolitische Gemengelage den Mord an Rabin ermöglichte und beförderte, analysiert der israelische Journalist Kapeliuk, dessen 1997 im Palmyra-Verlag erschienenes Buch nun als Taschenbuchausgabe vorliegt. Vier Faktoren, die zu dem Mord führten, untersucht der Autor: Er zeichnet die geistige Herkunft des Attentäters nach, der in orthodox-religiösen Schulen, Organisationen der Siedlerbewegung und der Bar-Ilan-Universität die geistige Grundlage für seinen fatalen Entschluß erhielt. Er analysiert die Politik der israelischen Rechten, die in den Monaten vor dem Attentat den Ministerpräsidenten und seine Ausgleichspolitik in einem Maße dämonisierten, daß manche ihrer Slogans als Aufforderung zum Mord an Rabin aufgefaßt werden konnten. Er untersucht die Verantwortung einiger religiöser Institutionen und Rabbiner bei der Ermutigung und Legitimation des Mordes an Rabin und schließlich thematisiert er das Versagen des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet bei der Vereitelung des Attentates. So entsteht ein dichtes Bild der politischen Szenerie im Israel des Jahres 1995, die den Mord an Yitzhak Rabin begünstigte bzw. nicht verhindern konnte. Aus dem Inhalt: I. Der Mord: "Ich hätte nicht geglaubt, daß es so leicht sein würde"; II. Die Zeichen an der Wand; III. Religion, Rabbiner und jüdischer Integralismus; IV. Ein schwarzer Samstag für den Shin Bet; V. Quo vadis Israel?
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 2.63 Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Amnon Kapeliuk: Rabin - ein politischer Mord. München: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6660-rabin---ein-politischer-mord_8989, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 8989 Rezension drucken
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