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/ 22.06.2013
Hans Jörg Sandkühler (Hrsg.)

Recht und Moral

Hamburg: Felix Meiner Verlag 2010; 192 S.; 14,90 €; ISBN 978-3-7873-1986-2
Die für jede Rechtsphilosophie fundamentale und scheinbar nur akademische Frage, ob das positive Recht einer moralischen Begründung bedarf, hat seit dem zwanzigsten Jahrhundert angesichts einer paradoxen Entwicklung enorm an Brisanz gewonnen: Während sich einerseits Recht und Rechtswissenschaft autonom ausdifferenzieren und sich damit jeglicher moralischer Erwägungen entledigen, wird andererseits seit den totalitären Großverbrechen gerade diese Emanzipation als Problem empfunden, was zu einem verstärkten Interesse an überpositiven Werten wie Gerechtigkeit und Menschenrechte führt. Diese Diskussion ließe sich darauf zuspitzen, ob es „moralische Rechte“ im strengen Wortsinn geben kann, was im Falle der Bejahung umgehend die Frage provoziert, welche Geltung dann positive Rechte besitzen. Dass dies nun keineswegs mehr nur ein bloß philosophischer Gegenstand ist, wird anhand der aktuell drängenden und im Band immer wieder berührten Streitpunkte wie Menschenrechte, Multikulturalismus oder Legitimation von gerechten Kriegen deutlich, deren Beantwortung zu wichtig ist, um sie zwischen „Moralisierung und politischer Instrumentalisierung“ (Herlinde Pauer‑Studer, 151) zu zerreiben. Die hier versammelten Beiträge, zum Teil Vorträge auf der Bremer Tagung anlässlich des UNESCO‑Welttages der Philosophie 2009, veranschaulichen das Spektrum einer möglichen Begründung bzw. Zurückweisung „moralischer Rechte“ und sind allen politiktheoretisch Interessierten – auch Studierenden – zu empfehlen.
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Rubrizierung: 5.444.42 Empfohlene Zitierweise: Frank Schale, Rezension zu: Hans Jörg Sandkühler (Hrsg.): Recht und Moral Hamburg: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32937-recht-und-moral_39339, veröffentlicht am 19.10.2010. Buch-Nr.: 39339 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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