/ 21.06.2013
Gerald Faschingeder / Clemens Six (Hrsg.)
Religion und Entwicklung. Wechselwirkungen in Staat und Gesellschaft
Wien: Mandelbaum Verlag 2007 (Globalgeschichte und Entwicklungspolitik 4); 280 S.; Ln., 15,80 €; ISBN 978-3-85476-207-3Der Band ist als Überblick über vier verschiedene Themenfelder konzipiert, die nach Meinung der Herausgeber in der aktuellen Debatte über die Rolle der Religion in gegenwärtigen Entwicklungen aufgegriffen werden sollten. Dabei konzentrieren sich die Autoren nicht nur auf den Begriff der Entwicklung in einem engeren entwicklungspolitischen Sinne, sondern gehen explizit auch auf andere Bedeutungszusammenhänge ein. Faschingeder untersucht die Rolle der Religion als einen entwicklungsförderlichen bzw. entwicklungsabträglichen Faktor und kommt zu dem Ergebnis, dass nicht Religion an sich förderlich oder hinderlich sei, sondern dass es vielmehr darum gehen müsse, „verschiedene religiös geprägte Mentalitäten im Rahmen einer spezifischen historischen Konstellation zu beschreiben“ (52), um gültige Aussagen treffen zu können. Dem Entwicklungsbegriff in seiner Bedeutung als sozio-ökonomischer Transformation nähert sich Andreas Exenberger. Auch er folgert, dass keine generelle Abträglichkeit von Religiosität feststellbar und schon gar keine besonders wachstumshemmende Religion auszumachen sei. Wie Faschingeder argumentiert er, dass es auf die „spezifischen Merkmale des Glaubens“ (128) ankommt, die sich in einen weltlichen wirtschaftlichen Erfolg übersetzen lassen. Die Bedeutung der Religion für die Entwicklung im Sinne von Staatsbildung und innerer Staatsentwicklung zeigt Ilker Ataç am Beispiel des politischen Islams in der Türkei. Die Entwicklung als internationale Entwicklung und der Einfluss religiöser Faktoren und Akteure sind Themen im vierten Teil. Die positive Rolle von interreligiösen Dialogen als konfliktschlichtenden Instanzen hebt die Theologin Ingeborg Gabriel hervor. Der Band bietet einen interdisziplinär angelegten Überblick über verschiedene Debattenstränge. Anders als der Titel erwarten lässt, fehlt aber eine genauere politikwissenschaftliche Theoretisierung, mittels der die Kausalverbindungen zwischen Religion und Entwicklung konkreter offengelegt werden könnten.
Marius Sauter (MDS)
Student, Institut für Politikwissenschaft, Universität Tübingen.
Rubrizierung: 2.23 | 4.44 | 4.43 | 2.63 | 2.21
Empfohlene Zitierweise: Marius Sauter, Rezension zu: Gerald Faschingeder / Clemens Six (Hrsg.): Religion und Entwicklung. Wien: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26886-religion-und-entwicklung_31374, veröffentlicht am 03.12.2007.
Buch-Nr.: 31374
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Student, Institut für Politikwissenschaft, Universität Tübingen.
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