/ 22.06.2013
Alexander Ruser
Der Markt als Mitte(l) Reformprozesse und Diskurse der Alterssicherung in Deutschland und Großbritannien
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011; 229 S.; 39,95 €; ISBN 978-3-531-18248-3Diss. Heidelberg. – Mit Großbritannien und Deutschland hat der Autor für seine vergleichende Analyse von Reformen der Alterssicherung zwei Länder ausgewählt, die gemeinhin als Vertreter unterschiedlicher wohlfahrtsstaatlicher Modelle gelten. Erkenntnisleitend ist daher vor allem die Frage, ob im Verlauf der Reformprozesse nationale Kontexte dominant bleiben oder sich unter dem Druck vergleichbarer Problemlagen Konvergenzen ausmachen lassen. Ruser verfolgt eine zweigleisige Methodik: Zum einen untersucht er aus neoinstitutionalistischer Perspektive und im Lichte der Pfadabhängigkeitsthese die seit 1980 erfolgten Veränderungen in der Alterssicherung. Zum anderen befasst er sich diskursanalytisch mit den jeweiligen Sozialstaatsdebatten der einzelnen Reformepisoden. Durch die Verbindung dieser beiden Analyseperspektiven legt der Autor zum Teil ganz gegensätzliche Wirkungsmechanismen offen. So verfolgten in der ersten Hälfte der 80er-Jahre beide Länder mit der Ausgabenkonsolidierung zwar ein gleichgerichtetes Ziel, im Ergebnis fand aber keine Annäherung der Ausgabensituation statt. Dabei zeigten sich große Diskrepanzen zwischen der Notwendigkeit von Reformen und der tatsächlich eingeleiteten Maßnahmen. Obwohl der demografische Wandel in Deutschland „objektiv ein dringlicheres“ Problem darstellte, wurden mit „relativer Ruhe“ (173) moderate Korrekturen vorgenommen, während die demografische Krise in Großbritannien dramatisiert wurde. Diese diskursive Diskrepanz veränderte sich im Zeitverlauf – nicht zuletzt unter dem Einfluss der Empfehlungen der Weltbank und deren Niederschlag in rentenpolitischen Konzepten der EU. Die damit vermittelte Überlegenheit marktwirtschaftlicher Lösungen habe sich auf die Diskurse in Deutschland und Großbritannien niedergeschlagen und sorgten für eine sozialpolitische Annäherung, wie sie mit dem sogenannten Schröder-Blair-Papier zum Ausdruck gebracht wurde. Allmählich habe sich eine Konvergenz der rentenpolitischen Diskurse vollzogen. Sie wurden zwar „in eine Reihe gleichgerichteter, aber nicht gleicher Reformen übersetzt“ (206), schreibt Ruser, von einer institutionellen Konvergenz könne aber (noch) nicht die Rede sein. Dass „diskursiv ähnlich erzeugte politische Agenda in den beiden Untersuchungsländern unterschiedlich umgesetzt [wird]“, erklärt der Autor abschließend mit der Existenz unterschiedlicher „Pfadelastizitäten“ (210).
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.263 | 2.343 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Alexander Ruser: Der Markt als Mitte(l) Wiesbaden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34552-der-markt-als-mittel_41502, veröffentlicht am 09.02.2012.
Buch-Nr.: 41502
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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