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/ 21.06.2013
Mechthild Baumann

Der deutsche Fingerabdruck. Die Rolle der deutschen Bundesregierung bei der Europäisierung der Grenzpolitik

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2006; 176 S.; brosch., 34,- €; ISBN 978-3-8329-2185-9
Diss. HU Berlin; Gutachter: G. J. Glaeßner – In der Entwicklung der innen- und justizpolitischen Zusammenarbeit haben die Grenzen zwischen den EU-Mitgliedstaaten eine wichtige Rolle gespielt. Als sich 1984 der Abbau der Grenzkontrollen zwischen Frankreich und Deutschland ankündigte, entstand eine sicherheitspolitische Debatte über die Auswirkungen eines solchen Schrittes. Die Verhandlungen über die „Ausgleichsmaßnahmen“ des Schengener Systems setzten eine Dynamik in Gang, die bis in die Gegenwart anhält. Die Autorin fragt am Beispiel der europäischen Grenzpolitik, welchen Beitrag die Bundesrepublik zur Institutionalisierung der Innen- und Justizpolitik in der EU leistete. Schon ein erster Blick auf die Entwicklung lässt vermuten, dass sowohl die Entscheidung zur Aufgabe der Grenzkontrollen als auch die Schaffung einer europäischen Grenzschutzagentur auf deutsche Initiativen zurückgehen. Der Einfluss lässt sich aber darüber hinaus, das zeigt die Autorin, bis in die Ausgestaltung der praktischen Grenzsicherungspolitik nachweisen. Baumann legt zunächst konzeptionelle Überlegungen zum Verhältnis von Staatlichkeit und Grenzen sowie eine knappe Skizze des Akteursgefüges im Bereich der Grenzpolitik vor. Den Hauptteil machen dann in vier Kapiteln die Darstellung der historischen Entwicklung der Grenzpolitik sowie eine Analyse der deutschen Strategien in diesem Politikfeld aus. Besonders interessant wird es, wenn die Autorin die zuweilen konflikthafte Positionsbestimmung der Bundesregierung zwischen Kanzleramt, Innenministerium, Ländern, Polizeibehörden und Auswärtigem Amt nachzeichnet. Dass es den Bundesregierungen in weiten Bereichen gelang, ihre Interessen in der Grenzpolitik durchzusetzen, ist ein zentrales Ergebnis der Studie. Ein zweites betrifft den Gestaltwandel dieses Politikfeldes. Gegenüber der ursprünglichen Absicht, ein Zeichen für das Zusammenwachsen Europas zu setzen, haben sich schnell die Sicherheitsakteure durchgesetzt: „Was mit dem Gedanken eines grenzkontrollfreien Europas begann, endete in einer hoch institutionalisierten Sicherheitsunion.“ (149)
Wilhelm Knelangen (WK)
Dr., wiss. Ass., Institut für Sozialwissenschaften (Bereich Politikwissenschaft), Universität Kiel.
Rubrizierung: 3.73.52.32 Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Knelangen, Rezension zu: Mechthild Baumann: Der deutsche Fingerabdruck. Baden-Baden: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26824-der-deutsche-fingerabdruck_31302, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 31302 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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