/ 05.06.2013
Christian Hanke
Die Deutschlandpolitik der Evangelischen Kirche in Deutschland von 1945 bis 1990. Eine politikwissenschaftliche Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung des kirchlichen Demokratie-, Gesellschafts- und Staatsverständnisses
Berlin: Duncker & Humblot 1999 (Schriftenreihe der Gesellschaft für Deutschlandforschung 68); 519 S.; 148,- DM; ISBN 3-428-09453-0Politikwiss. Diss. FU Berlin. - Trotz der umfangreichen Literatur zu den Themen Kirche und Staatssicherheit, Kirche und Wende in der DDR sowie zahlreicher juristischer Abhandlungen zum Staatskirchenrecht weist die politikwissenschaftliche Aufarbeitung der unbestritten herausragenden Rolle der Kirchen in der Gesellschaft und im politischen System große Forschungslücken auf. Mit der Darstellung der Grundzüge der Deutschlandpolitik der Evangelischen Kirche in Deutschland werden einerseits das politische Selbstverständnis des Protestantismus vor dem Hintergrund seiner geistesgeschichtlichen Grundlagen und Traditionslinien analysiert. Zum anderen verdeutlicht die Herausarbeitung des Beitrags der Evangelischen Kirche zum gesellschaftlichen Diskurs über politische Ziele und Grundwerte deren gesellschaftliche Rolle im Nachkriegsdeutschland sowie in den beiden deutschen Staaten bis zur Wiedervereinigung. Die zeithistorische Darstellungsweise folgt nach einer Zusammenfassung der Traditionslinien im Kaiserreich, in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus den einschneidenden Wegmarken in der deutschlandpolitischen Orientierung in den 50er Jahren bis zum Mauerbau, vom Kalten Krieg bis zum Beginn der neuen Ost- und Deutschlandpolitik sowie schließlich der Rolle der Evangelischen Kirche bei der Wiederherstellung der staatlichen Einheit Deutschlands. Hanke verdeutlicht anschaulich den grundsätzlichen Wandel im Gesellschafts- und Staatsverständnis der Evangelischen Kirche von der Überwindung ihrer vordemokratischen nationalprotestantischen Tradition hin zu einem sozialethisch fundierten Verständnis des parlamentarischen Systems. Während die Evangelischen Kirchen in beiden deutschen Staaten wesentlich die Entspannungspolitik auf den Weg brachten sowie eine tragende Rolle vor und während der Wende in der DDR spielten, bewertet Hanke hingegen ihren Einfluß bei der Ausgestaltung des Einigungsprozesses als "wenig erfolgreich" (458).
Andreas Eis (AE)
Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
Rubrizierung: 2.35 | 2.313 | 5.41
Empfohlene Zitierweise: Andreas Eis, Rezension zu: Christian Hanke: Die Deutschlandpolitik der Evangelischen Kirche in Deutschland von 1945 bis 1990. Berlin: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8679-die-deutschlandpolitik-der-evangelischen-kirche-in-deutschland-von-1945-bis-1990_11413, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 11413
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Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
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