/ 11.06.2013
Rainer Graf
Die Finanzkontrolle der Europäischen Gemeinschaft
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 1999 (Schriftenreihe Europäisches Recht, Politik und Wirtschaft 213); 246 S.; brosch., 69,- DM; ISBN 3-7890-5833-5Sozialwiss. Diss. HU Berlin; Gutachter: M. Kreile, H. Wollmann. - Nach Schätzungen aus Praxis und Wissenschaft entsteht der Europäischen Gemeinschaft durch betrügerische Aktionen oder ineffiziente und unsachgemäße Verwendung jährlich ein Schaden in Höhe von etwa 10 Prozent des Europäischen Gemeinschaftshaushalts. Dies impliziert ein ineffektives Haushaltsmanagement und mangelnde Kontrolle, die Graf in seiner Arbeit analysiert, Ursachen hierfür aufdeckt und Optimierungsvorschläge gibt. Im Blick hat der Autor dabei die an der internen und externen Kontrollpraxis beteiligten Institutionen Europäisches Parlament, Ministerrat, Kommission und den Rechnungshof, wobei er auch die Problematik, die sich aus dem EG-Mehrebenensystem ergibt, in seine Analyse miteinbezieht. Graf zeigt die entscheidenden politikwissenschaftlichen Aspekte auf und geht dabei auf den Einfluß nationaler Interessen und die Verantwortlichkeit der Gemeinschaftsangehörigen ebenso ein wie auf rechtspolitische Themen, so unter anderem die konzeptionellen Defizite in der Subventionsgesetzgebung und rechtliche Sanktionsregelungen. Durch die Fülle empirischer Daten und rechtlicher Grundlagen liefert der Autor ein überzeugend fundiertes und überraschend anschauliches Werk über ein häufig beleuchtetes Thema von großer Aktualität. - Der Verfasser, der für diese Arbeit von dem Verein Berliner Kaufleute und Industrieller e. V. mit dem Sonderpreis 1998 für Europaforschung in Berlin ausgezeichnet wurde, war von 1990-1996 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Europäischen Parlament tätig.
Inhaltsübersicht: 2. Öffentliche Finanzen und ihre Kontrolle: 2.1 Bedeutung und Funktion der Finanzkontrolle; 2.2 Träger der Kontrolle; 2.3 Ausrichtung der Kontrolle. 3. Der Haushalt der Europäischen Gemeinschaft und seine Kontrolle: 3.1 Struktur und Umfang des EG-Haushalts; 3.2 Die Grundzüge der EG-Finanzkontrolle. 4. Die interne Kontrolle durch die Europäische Kommission: 4.1 Die Funktionswahrnehmung der Kommission; 4.2 Die Organisation von Finanzmanagement und Finanzkontrolle; 4.3 Ansätze zur Optimierung von Finanzmanagement und Finanzkontrolle. 5. Die externe Kontrolle durch den Europäischen Rechnungshof: 5.1 Institutionelle Rahmenbedingungen; 5.2 Eckpunkte der Aufgabenwahrnehmung; 5.3 Berichterstattung und Wirkungskonzept; 5.4 Optionen für die Weiterentwicklung des Rechnungshofes. 6. Die politische Kontrolle durch die Haushaltsbehörde: 6.1 Europäisches Parlament; 6.2 Der Ministerrat. 7. Institutionenbilanz; 8. Der Rechtsrahmen für den Schutz der finanziellen Gemeinschaftsinteressen: 8.1 Gemeinschaftsrechtliche Kontrollvorschriften; 8.2 Gemeinschaftsrechtliche Sanktionsregelungen; 8.3 Die Verantwortlichkeit von Gemeinschaftsangehörigen. 9. Finanzkontrolle und Betrugsbekämpfung im Mehrebenensystem: 9.1 Die dezentralisierte Verwaltung und Kontrolle der Gemeinschaftsfinanzen; 9.2 Aspekte der Zusammenarbeit zwischen Mitgliedstaaten und Kommission; 9.3 Direkte Kontrollen durch die Kommission. 10. Finanzkontrollaspekte der Subventionsgesetzgebung: 10.1 Normenflut und Normenkomplexität; 10.2 Die Betrugsanfälligkeit von Gemeinschaftsregelungen; 10.3 Konzeptionelle Defizite als Ursache für mangelnde Effizienz und Effektivität; 10.4 Die Bewertung von Gemeinschaftsinterventionen. 11. Der Einfluß nationaler Interessen: 11.1 Kompetenzen und Verantwortung auf nationaler Ebene; 11.2 Die Interessenlage der Mitgliedstaaten. 12. Ein haushaltspolitisches Gesamtkonzept für das 21. Jahrhundert.
Leslie Piert (LP)
Rubrizierung: 3.3 | 3.2 | 3.5
Empfohlene Zitierweise: Leslie Piert, Rezension zu: Rainer Graf: Die Finanzkontrolle der Europäischen Gemeinschaft Baden-Baden: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9814-die-finanzkontrolle-der-europaeischen-gemeinschaft_11572, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 11572
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