/ 17.06.2013
Karl Lauschke
Die halbe Macht. Mitbestimmung in der Eisen- und Stahlindustrie 1945 bis 1989
Essen: Klartext 2007; 359 S.; 24,95 €; ISBN 978-3-89861-729-1Für seine historische Aufarbeitung des paritätischen Mitbestimmungssystems in der Eisen- und Stahlindustrie, das ab 1947 in der britischen Besatzungszone eingeführt und 1951 bundesweit gesetzlich geregelt wurde, hat der Autor einen Ansatz gewählt, der das „institutionelle Kooperationsgefüge“ (10) von vornherein in die Untersuchung einbezieht. Lauschke rekonstruiert die Bemühungen um die Herausbildung einer sozialen Betriebspolitik unter den Bedingungen der Nachkriegsjahre und fragt, wie sich diese auf der Grundlage der Montanmitbestimmung unter den sich wandelnden wirtschaftlichen und politischen Bedingungen bis zum Ende der 80er-Jahre entwickelt hat. Im Mittelpunkt stehen die internen Prozesse der verschiedenen Mitbestimmungsträger. Der Anspruch der Gewerkschaften auf eine Gleichberechtigung von Arbeit und Kapital in den Unternehmen mündete anfangs in der Schaffung der Institution des Arbeitsdirektors. Diesen von den Gewerkschaften in die Unternehmensvorstände entsandten Personen schreibt Lauschke eine Schlüsselposition in der Mitbestimmungspraxis zu. Als Mitglieder der Unternehmensvorstände hatten sie einerseits eine Arbeitgeberrolle inne, andererseits sollten sie die Interessen der Arbeitnehmerschaft vertreten. Durch die Arbeitsdirektoren wurde das klassische Beziehungsgefüge zwischen Vorstand und Betriebsrat bedeutend verändert und es bildeten sich neue Akteurskonstellationen und Interaktionsformen im Verhältnis von Betriebsräten, Unternehmern, Aktionären, Arbeitsdirektoren und Gewerkschaftern heraus. Zwar diente die paritätische Mitbestimmung „immer wieder als Mittel, die sozialen Interessen der Arbeitnehmer gleichberechtigt neben den wirtschaftlichen Interessen der Anteilseigner zu berücksichtigen und dabei nach Lösungen zu suchen, die auch den konkreten Umständen entsprachen“ (334), doch zeigt sich die Geschichte der Montanmitbestimmung zugleich als „eine Geschichte des ständigen Bemühens der Gewerkschaften, sie gegen Angriffe der Arbeitgeber zu sichern, und aus der Defensive kamen sie kaum hinaus“ (11).
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.331 | 2.313
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Karl Lauschke: Die halbe Macht. Essen: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14792-die-halbe-macht_34140, veröffentlicht am 21.05.2008.
Buch-Nr.: 34140
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