/ 06.06.2013
Gerhard Schick
Doppelter Föderalismus in Europa. Eine verfassungsökonomische Untersuchung
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2003 (Kollektive Entscheidungen, Wirtschaftspolitik und öffentliche Finanzen 11); 357 S.; 50,10 €; ISBN 3-631-50858-1Wirtschaftswiss. Diss. Freiburg i. Br.; Gutachter: H. Francke, G. Blümle. - Aus verfassungsökonomischer Perspektive untersucht Schick die föderalen Strukturen in Europa. Schwerpunkte sind die optimale Anzahl der föderativen Ebenen, der Aufgabenumfang der Jurisdiktionen sowie ihre optimale Größe und Anzahl. Des Weiteren fragt der Autor, ob ein dynamisches Föderalismuskonzept, das Änderungen der Föderalverfassung ermöglicht, den bisherigen statischen Vorstellungen vorzuziehen ist. Außerdem analysiert Schick, welche Vorteile eine Asymmetrie von Jurisdiktionengröße und -kompetenz mit sich bringt. Im ersten, empirischen Teil der Arbeit werden der europäische und der mitgliedstaatliche Föderalismus charakterisiert. Auf mitgliedstaatlicher Ebene werden Deutschland, Belgien, Spanien, Frankreich und Großbritannien exemplarisch für die vorhandenen unterschiedlichen innerstaatlichen Strukturen vorgestellt. Anschließend geht der Autor auf die Kritik Scharpfs an der Politikverflechtung in föderalen Systemen ein. Im zweiten Teil wird die theoretische Basis, die Verfassungsökonomik, erläutert. Auf der Grundlage des methodologischen Individualismus begreift die verfassungsökonomische Sicht den Staat als politische Genossenschaft und sucht nach institutionellen Arrangements, die für die Bürger vorteilhaft sind. Schick kommt zu dem Ergebnis, dass optimale Ebenenzahl sowie Größe und Anzahl der Jurisdiktionen am besten über einen intensiven Institutionenwettbewerb entschieden werden. Der Autor spricht sich für einen dynamischen Föderalismus aus, da sich nur flexible Systeme an Veränderungen anpassen können. Dabei hält er Asymmetrien durchaus für sinnvoll, weil sie die Transparenz steigern und oft Bedingung für die Ausnutzung der Vorteile föderaler Strukturen sind. Für den deutschen Föderalismus bedeutet dies eine Entflechtung der Kompetenzverteilung und transparentere Finanzbeziehungen zwischen den Ebenen.
Julia von Blumenthal (JB)
Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
Rubrizierung: 5.41 | 2.325 | 3.2
Empfohlene Zitierweise: Julia von Blumenthal, Rezension zu: Gerhard Schick: Doppelter Föderalismus in Europa. Frankfurt a. M. u. a.: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8875-doppelter-foederalismus-in-europa_23085, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 23085
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Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
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