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/ 21.06.2013
Janina Thiem

Nationale Parteien im Europäischen Parlament. Delegation, Kontrolle und politischer Einfluss

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009 (VS Research); 185 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-531-16415-1
Diss. Mannheim; Gutachter: F. U. Pappi, W. C. Müller. – Nationale Politik sei in der Europäischen Union ohne die europäische Ebene nicht mehr denkbar, schreibt Thiem einleitend. In diesem Sinne untersucht sie den Einfluss nationaler Parteien respektive der jeweiligen europäischen Fraktionsführung auf das Abstimmungsverhalten europäischer Parlamentarier. Dafür entwickelt sie ein theoretisches Modell, welches der oftmals geäußerten Ansicht, die Parlamentarier des EPs seien Diener zweier Herren oder Agenten von zwei Prinzipalen, widerspricht. In der Folge analysiert sie dieses Modell anhand selbst erhobener Daten zum Abstimmungsverhalten und interpretiert die fraktionelle Geschlossenheit bei bestimmten Abstimmungen im EP nicht als Folge der Sanktionsmacht der Fraktionsführung, sondern als Ausdruck der Fraktionshomogenität hinsichtlich gewisser Themen. Gegliedert ist die Arbeit dabei in einem klassischen Design: der theoretischen Entwicklung des Modells in den Kapiteln 2, 3 und 4 folgt die Übertragung der Modell-Annahme in zu überprüfende Hypothesen (Kapitel 5 bzw. 7), an die dann eine gut strukturierte empirische Überprüfung anschließt (Kapitel 6 und 8). Damit liefert die Untersuchung tatsächlich eine Erweiterung unseres Wissens „über die Funktionsweise des EPs und die zentrale Rolle der nationalen Parteien in ihm in einem entscheidenden Punkt“ (7), wie das Geleitwort von Franz Urban Pappi verspricht. Gleichwohl bleibt anzumerken, dass die Arbeit durchweg einem rationalen Paradigma verpflichtet ist, welches sozialisatorische Prägungen individueller Abgeordneter völlig außer Acht lassen muss. Jeffrey Checkel hat aber hinsichtlich des Verhaltens auf europäischer Ebene auf den wichtigen Einfluss solcher Sozialisationswirkungen durch internationale Institutionen auf deren Angehörige und ihr späteres Verhalten hingewiesen. Der Einbezug bzw. zumindest eine Diskussion solcher Argumente in ihrer Rolle für das geschlossene Abstimmungsverhalten von EP-Fraktionen wäre daher sicherlich noch wünschenswert, um die wertvollen Erkenntnisse der Arbeit weiter zu stützen.
Bernd Schlipphak (SCH)
M. A., wiss. Universitätsassistent, Abteilung Politikwissenschaft, Universität Salzburg.
Rubrizierung: 3.3 Empfohlene Zitierweise: Bernd Schlipphak, Rezension zu: Janina Thiem: Nationale Parteien im Europäischen Parlament. Wiesbaden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30474-nationale-parteien-im-europaeischen-parlament_36182, veröffentlicht am 24.03.2009. Buch-Nr.: 36182 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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