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/ 17.06.2013
Michael Mitterauer

Parlament und Schura. Ratsversammlungen und Demokratieentwicklung in Europa und der islamischen Welt

Wien: Picus Verlag 2009 (Wiener Vorlesungen im Rathaus 144); 64 S.; geb., 7,90 €; ISBN 978-3-85452-544-8
Mitterauer vergleicht anhand der Ratsversammlungen die Entwicklung der Demokratie in Europa mit der in der islamischen Welt – unter Berücksichtigung der Debatte um die Vereinbarkeit von Islam und Demokratie. Der Text geht auf einen Vortrag zurück, der im Rahmen der genannten Reihe einem Laienpublikum präsentiert wurde. Eben dieser Ursprung ist dem Text auch deutlich anzumerken. Die Überprüfbarkeit und die Nachvollziehbarkeit von Argumentationslinien leiden stark in Ermangelung von Fuß- und Endnoten, die teilweise interessanten Denkansätze werden nur rudimentär ausgeführt und allgemein erfüllt der nur knapp 50 Seiten starke Text kaum Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens. Dennoch bietet Mitterauer auch einige interessante Argumente. So stellt er etwa fest, dass es in Bezug auf das Beratungsprinzip nirgends eine genaue Festlegung der institutionellen Ausprägung gibt. Auch auf der rein geistlichen Ebene habe es keine den europäischen Synoden vergleichbare institutionalisierte Ratsversammlung gegeben. Anders als in Europa gab es somit keine historisch gewachsene Institutionalisierung demokratischer Ratsversammlungen. Auch auf säkularer Ebene beobachtet Mitterauer dieses Phänomen: Im Lehnswesen des Mittelalters sieht er den Ausgangspunkt einer allmählichen Demokratisierung politischer Entscheidungen. Da der Islam dieses Organisationsprinzip nicht kannte, habe dieses Element der Demokratieentwicklung auch auf säkularer Ebene gefehlt. Mitterauer konstatiert, dass es weniger die theologischen Inhalte, sondern vielmehr die Organisationsformen von Religion waren, die sich auf die Entwicklung auswirkten. Insgesamt handelt es sich um eine knappe, mit interessanten Argumenten versehene, vergleichende Abhandlung über die Demokratieentwicklung in Europa und im islamischen Raum. Wenn man das ursprüngliche Zielpublikum im Hinterkopf behält und diesen knappen Band eher als einen kursorischen Überblick betrachtet, so können die Ausführungen des Sozialhistorikers durchaus fruchtbare Denkanstöße liefern.
Marius Sauter (MDS)
Student, Institut für Politikwissenschaft, Universität Tübingen.
Rubrizierung: 2.23 Empfohlene Zitierweise: Marius Sauter, Rezension zu: Michael Mitterauer: Parlament und Schura. Wien: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14830-parlament-und-schura_37025, veröffentlicht am 23.09.2009. Buch-Nr.: 37025 Rezension drucken
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