/ 03.06.2013
Isabel Warner
Steel and sovereignty. The deconcentration of the West German steel industry 1949-54
Mainz: Verlag Philipp von Zabern 1996 (Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz 162); XIII, 274 S.; Ln., 68,- DM; ISBN 3-8053-1707-7Diss.; Erstgutachter: A. Milward. - Der Stahlindustrie im Ruhrgebiet kam große Bedeutung für den Wiederaufbau der deutschen Industrie zu. Es war klar, daß sie eine wichtige Komponente für jeden europäischen Wiederaufbau sein würde. Absicht der Autorin, die ihre Ergebnisse auf Studien in britischen, französischen und deutschen Archiven stützt, ist es, die Praxis der alliierten Besatzungspolitik zu beleuchten, zu fragen, wie effektiv sie war und welche Differenzen zwischen den drei westlichen Siegermächten existierten. Von Interesse sind auch die Versuche deutscher Politiker, Industrieller und Gewerkschafter, den Verlauf der Entflechtung zu beeinflussen.
Ergebnis: Die Meinungsunterschiede auf seiten der Alliierten waren für die Durchsetzung ihrer Ziele hinderlich. Die deutsche Bundesregierung entwickelte - in enger Kooperation mit den industriellen Kreisen - ihre eigene Abwehr der Entflechtung, wovon die deutsche Stahlindustrie profitierte. Deren Struktur hat sich wenig geändert: 1958 wurde die westdeutsche Stahlindustrie von acht Konzernen dominiert, die schon vor dem Krieg existierten. Angesichts des Kalten Krieges war den Alliierten bald klar, daß Westdeutschland in den westlichen Block zu integrieren sei, was der deutschen Bundesregierung einen gewissen Gestaltungsraum gab. Warner hebt den großen Einfluß des damaligen Bundeskanzlers Adenauer hervor. Auch der Schuman-Plan half der Bundesregierung, ihre internationale Bedeutung zu stärken; dies wiederum erhöhte ihren Einfluß auf die Vertragsverhandlungen über den Deutschlandvertrag und führte schließlich zur Abschaffung alliierter Kontrollen über die westdeutsche Stahlindustrie.
Warner resümiert: "Yet even if the structural foundation of the West German steel industry remained largely unchanged and the same people as before were still running it, new beginnings were not necessarily frustrated as it was now firmly embedded within an emerging European framework designed to check the excesses of the past. This would not have been possible without the Allied deconcentration programme, which, therefore, played an important role in helping to solve the German problem." (236)
Inhaltsübersicht: 1. Negotiating the Deconcentration, 1949-51; 2. Modifying the Deconcentration, 1951; 3. Implementing the Deconcentration, 1951-52; 4. Terminating the Deconcentration, 1952-54.
Sabine Steppat (Ste)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.313 | 3.1
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Isabel Warner: Steel and sovereignty. Mainz: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/1520-steel-and-sovereignty_1732, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 1732
Rezension drucken
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
CC-BY-NC-SA