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/ 18.06.2013
Gaia di Luzio

Verwaltungsreform und Reorganisation der Geschlechterbeziehungen

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2002 (Campus Forschung 848); 289 S.; kart., 34,90 €; ISBN 3-593-37166-9
Trotz der im internationalen Vergleich eher begrenzten Aktivitäten und Reichweite der deutschen Verwaltungsreform stellen diese nicht lediglich die Fortsetzung vergangener, meist wenig bedeutender oder erfolgloser Reformen des öffentlichen Dienstes dar, sondern - so der Ausgangspunkt dieser Arbeit - markieren einen Wendpunkt (10). Die Autorin untersucht, welche Bedeutung die Verwaltungsreform für den öffentlichen Dienst und das Beamtentum hat und fragt nach dem Zusammenhang zwischen der Ökonomisierung der staatlichen Bürokratie und dem Wandel der Geschlechterbeziehungen im öffentlichen Dienst. Dabei geht es zum einen um die Frage, ob die Verwaltungsreform zu Veränderungen der Geschlechterbeziehungen geführt hat und zum anderen darum, ob die Konzeption des Frauenförderprogramms mit den verfolgten Reformmodellen kompatibel ist. Im Unterschied zu den wenigen verwaltungs- und politikwissenschaftlichen, meist anwendungsbezogenen, Arbeiten zu den Auswirkungen der Verwaltungsreform auf die Gleichstellung der Geschlechter behandelt diese Untersuchung das Thema aus soziologischer Perspektive. Die Autorin wählt einen institutionalistischen Ansatz und legt den Fokus darauf, "wie kognitive und normative Systeme Grenzen der Verwaltungsorganisation festlegen, sich in ihren formalen Strukturen niederschlagen und den kulturellen Rahmen für soziale Beziehungen in der Organisation bestimmen" (17). Sie kommt zu einem ambivalenten Ergebnis: Durch die Verwaltungsreform werden traditionelle, am männlichen Ernährermodell orientierte Karrierestrukturen durchbrochen. Gleichzeitig steht das Reformmodell aufgrund der einhergehenden Individualisierung des Berufsverlaufs der Argumentations- und Wirkungslogik des bisherigen Frauenförderprogramms entgegen. Inhaltsübersicht: I. Abgrenzung vom Markt und Geschlechterdifferenzierung: 2. Berufsbeamtentum und öffentlicher Dienst als Profession; 3. Berufsbeamtentum, öffentlicher Dienst und die moderne Geschlechterordnung; 4. Karrieresystem und das Modell des männlichen Familienernährers. II. Das neue Gleichberechtigungsparadigma: 5. Die verfassungsrechtliche Diskussion; 6. Die Konzipierung von Frauenförderung für den öffentlichen Dienst. III. Die Ökonomisierung des öffentlichen Dienstes und ihre Folgen für die Gleichberechtigung: 7. Rekonzeptualisierung des öffentlichen Dienstes; 8. Die Realisierung der Reformpläne und ihre Auswirkungen auf Geschlechterbeziehungen im öffentlichen Dienst; 9. Kompatibilität von Frauenförderung und Reformmodell.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.272.362.3252.322 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Gaia di Luzio: Verwaltungsreform und Reorganisation der Geschlechterbeziehungen Frankfurt a. M./New York: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17412-verwaltungsreform-und-reorganisation-der-geschlechterbeziehungen_20046, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 20046 Rezension drucken
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