/ 22.06.2013
Karl-Heinz Paqué
Vollbeschäftigt. Das neue deutsche Jobwunder
München: Carl Hanser Verlag 2012; 269 S.; geb., 19,90 €; ISBN 978-3-446-43211-6Deutschland stehe mitten in einem grundlegenden Wandel des Arbeitsmarktes: „von der säkularen Arbeitslosigkeit zur Vollbeschäftigung, vom Käufer‑ zum Verkäufermarkt, vom chronischen Mangel an Arbeitsplätzen zum chronischen Mangel an Arbeitskräften“ (9). Diese zentrale These des Buches ist auf den ersten Blick und im Hinblick auf die immer noch nicht überwundene Wirtschaftskrise mit der hohen Arbeitslosigkeit in anderen europäischen Ländern sowie den gängigen Thesen vom Ende der Arbeit mehr als überraschend. Der Autor kann jedoch für seine These auf die derzeitigen Erfolge auf dem deutschen Arbeitsmarkt verweisen. Um seine Meinung zu belegen, skizziert Karl‑Heinz Paqué in einem grobflächigen historischen Überblick die Ursachen dieser Veränderungen des Arbeitsmarktes. Zentral sind dafür zum einen die Entwicklungen des Arbeitsangebotes. Nach Jahrzehnten mit einem höheren Arbeitsangebot (im Sinne eines „Potenzials an Erwerbspersonen“, 36) verursacht die demografische Entwicklung mit dem Geburtenrückgang nun einen Rückgang des Arbeitsangebotes. Auf der Seite der Arbeitsnachfrage habe wiederum eine Liberalisierung des Arbeitsmarktes mit dem „Meilenstein“ (67) Hartz‑Reform im Jahre 2005 stattgefunden. Die dadurch bewirkte neue Flexibilität habe die Wende auf dem Arbeitsmarkt eingeleitet, die seit einigen Jahren in Deutschland zu beobachten sei. Der zweite Teil des Buches ist den Folgen dieses Wandels für den Arbeitsmarkt gewidmet. Entscheidend für die Zukunft der Arbeitsmärkte seien die fortwährenden Auswirkungen der demografischen Entwicklung. Der Rückgang der Arbeitskräfte werde zu einem strukturellen Vorteil für die Arbeitnehmer, der sich u. a. in sicheren Arbeitsplätzen ausdrücke. In einem weiteren Kapitel widmet sich der Autor der europäischen Dimension, für die er eine eher düstere Prognose stellt. Zu erwarten sei ein weiteres Auseinanderdriften der erfolgreichen Länder mit Deutschland an der Spitze und der wegen der mangelnden notwendigen Anpassungsleistungen erfolglosen Länder vor allem im Süden. Aufgrund der dann einzusetzenden Migrationsbewegungen sieht er Europa vor große Herausforderungen gestellt. Als Fazit lässt sich festhalten, dass das Buch auch für den ökonomischen Laien gut lesbar und wegen der den herrschenden Meinungen widersprechenden Thesen auch lesenswert ist – selbst wenn man ihnen nicht immer zustimmt.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.342 | 2.3 | 2.37
Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Karl-Heinz Paqué: Vollbeschäftigt. München: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35620-vollbeschaeftigt_42985, veröffentlicht am 13.02.2013.
Buch-Nr.: 42985
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Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
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