Skip to main content
/ 20.06.2013
Marcus Hoinle

Wer war Gerhard Schröder? Rollen und Images eines Bundeskanzlers

Marburg: Tectum Verlag 2006; 282 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-8288-8997-2
Gerhard Schröder wurde im Laufe seiner Kanzlerschaft mit vielen Etiketten versehen: Die Rede war beispielsweise vom „Medienkanzler“, „Autokanzler“, „Basta-Kanzler“, „Spaßkanzler“, „Reformkanzler“ oder auch vom „Genossen der Bosse“. Zur Beschreibung der Person und der Amtsführung Schröders findet sich eine „außergewöhnlich hohe Zahl und Variationsvielfalt der Begriffsbildungen“ (8), die Medien bedachten ihn mit mehr Etiketten als jeden anderen Kanzler vor ihm, so Hoinle. Aufgrund seiner bildhaften Anschaulichkeit und leichten Merkbarkeit beeinflusst ein Beiname die Meinungsbildung über eine Person. Je länger und häufiger er verwendet wird, desto mehr verstellt er im Laufe der Zeit den Blick auf seine Ursprünge und seinen Wahrheitsgehalt, schreibt der Autor und fragt: Wer war Schröder wirklich? Auf der politischen Bühne spielte er zahlreiche Rollen, die Hoinle zu fünf Kategorien zusammenfasst. Er spricht vom „Richtlinienkanzler“, der die ihm vom Grundgesetz verliehene Autorität zur Gestaltung seiner Regierungspolitik einsetzte. Als „Parteichefkanzler“ habe er für einige Jahre die Ämter des Regierungschefs und Parteivorsitzenden in Personalunion ausgeübt und die Fraktion sowie Partei eng an sich gebunden. Seine Amtsführung habe er „pragmatisch, multi-optional und konsensorientiert“ (50) den Gegebenheiten angepasst und dabei stets seine Machtposition zur Geltung gebracht, weshalb das Etikett „Präsidentenkanzler“ zutreffe. Der „Medienkanzler“ habe spontan auf Stimmungen und Situationen reagiert und die Medien zur positiven Eigendarstellung instrumentalisiert. Er habe Nähe zum Volk demonstriert und Sympathien errungen, weshalb auch der Begriff vom „Menschenkanzler“ zutreffe. Anknüpfend an die zahlreichen „Kanzler“-Komposita sei Schröder im Laufe seiner Kanzlerschaft zu einer Art „‚Patchwork-Kanzler’ [...] geworden, der die Eigenschaften und Fähigkeiten, die Erwartungen und Anforderungen von 1001 Kanzlertypen in sich zu vereinen“ (99) suchte.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3312.3332.32.322 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Marcus Hoinle: Wer war Gerhard Schröder? Marburg: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25944-wer-war-gerhard-schroeder_30166, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 30166 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA